Konzerte & Party

Die Party-Reihe „Cinйma“ im .HBC

HBCFeiern gehen kann man in Berlin, so sollte man denken, jeden Tag: Dienstage und Donnerstage gehören dem Cookies, der Mittwoch dem Watergate und Sonntag ist GMF im Weekend oder After Hour im Horst Krzbrg. Aber was ist eigentlich mit dem Montag? Der hat nun auch endlich eine feste Partyreihe. Seit Anfang Januar öffnet das .HBC am Alexanderplatz montags ab 22 Uhr für die „Cinйma“-Party. Und weil der Montag selbst in Berlin so ein untypischer Ausgehtag ist, gibt es auch, ganz untypisch, nicht den üblichen Elektro, Indie oder 80s-Pop, sondern: HipHop, R’n’B und Soul. „Montagabend ist mir einfach immer langweilig“, sagt Katja Hentschel, die zusammen mit ihren Freunden Liz Rushe und Sven aka DJ Svenster die Partyreihe ins Leben gerufen hat. Katja Hentschel sitzt im .HBC. Auf den Tischen entlang der Wände liegen weiße Tischdecken, darauf brennen Kerzen, Liz Rushe steht ein paar Meter weiter hinter den Plattentellern, legt Adele auf.

Katja Hentschel hat lange in London und New York gelebt. Dort waren die Sonntage und Dienstage, was in Berlin bisher der Montag war. Katja Hentschel nennt sie „diese unwahrscheinlichen Nächte“ und meint damit das besondere Gefühl, das man hat, wenn man ausgeht an einem Tag, an dem die Normalen, die „9-to-5ers“, zu Hause bleiben, weil am nächsten Morgen der Wecker früh klingelt. Da ist eine besondere Aura, die diese Nächte umgibt. Sie gehören den Eingeweihten, den Kreativen und Künstlern, den Nachteulen und Rastlosen und denen, die doch arbeiten müssen, denen es aber egal ist, wenn sie dann müde im Büro sitzen. Katja Hentschel hatte in London ihre eigene Partyreihe an einem Dienstag in einem Club in East London, „Glamcanyon“ hieß die, wie der Streetfashion-Blog, den sie mittlerweile betreibt. Seit zwei Jahren lebt sie jetzt in Berlin, saß vor ein paar Monaten mit Liz Rushe, die auf MotorFM die Sendung „Off The Record“ moderiert, im Tier in Neukölln, und da am Tresen entstand kichernd die Idee, eine gemeinsame Nacht zu machen.

HBC_2Schnell kam dann alles zusammen, Svenster dazu, der die Raphistory im Bohannon macht. Wenn schon anders, dachten sie, dann auch, was die Musik angeht. „Ich wollte die Party machen, auf die ich selber gerne gehen würde“, sagt Katja Hentschel, „und ich hatte einfach Lust auf etwas anderes als Elektro.“ Der Ort, der ehemalige Kinosaal im .HBC, von dem es heißt, hier hätten zu DDR-Zeiten die Dissidenten verbotene Filme geschaut, gab der Party schließlich ihren Namen: Cinйma. Französisch, das klingt nach Glamour, findet Katja Hentschel und genau dafür soll ihre Party auch stehen. Wenn schon montags ausgehen, dann richtig. „Die Leute in Berlin machen sich selten wirklich schick, wenn sie ausgehen“, sagt sie, „und wenn man es doch tut, dann hört man schnell: Warum hast du dich denn heute so aufgedonnert?“ Doch sie mag genau das.

An diesem Montag trägt sie ein Vintage-Hosenkleid, weiß, oben herum gerafft, von einem glitzernden Gürtel zusammengehalten, schwarz fließend an den Beinen, dazu tiefroten Lippenstift und die weißblonden Haare aus dem Gesicht gestrichen. Auf der Leinwand am anderen Ende des Raumes laufen Szenen aus „Casablanca“ und alten Brigitte-Bardot-Filmen, old Hollywood, das ist die Art von Glamour, die auf der Cinйma-Party gemeint ist. Liz Rushe spielt jetzt George Bensons „Give Me The Night“ von 1980, am Tresen sitzt ein Mädchen mit kunstvoll hochgesteckten Haaren neben einem Bouquet weißer Lilien. Ihr Drink sieht zu stark aus für eine Montagnacht und ihre High Heels zu hoch. Aber genau so passt es.

Text: Anne Lena Mösken

Foto: Frank Schröder

Cinйma im .hbc immer Montags, 22 Uhr

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