Indie

Die Rock’n’Rotzlöffel Chuckamuck spielen im Bi Nuu

Die Berliner Chuckamuck haben den Witz der Ärzte, die Schnoddrigkeit von Element Of Crime und die Unsterblichkeit der Beach Boys. Wir sind mit ihrem Sänger über die Sonnenallee geschlendert

Die Geschichte, die Oska Wald ­beiläufig erzählt, während er bei Kippe und Cola die Sonnenallee entlangläuft und im Slalom die Bushorden und Shisha-Bar-Kundschaft umkurvt, mutet heute überaus nostalgisch an: Vier Jungs, die sich von der Schule her kennen, gründen eine Rock’n’Roll-Band, singen von Mädchen und vom Meer, von Blues und Bambule, von Roadtrips und vom Rotzlöffeltum. Sie schrammeln sich die Finger wund, reißen die Hütte ab und werden Stück für Stück bekannt.

Diese Story – die Gründungsgeschichte der Band Chuckamuck, bei der Oskar Haßler alias Oska Wald (3. v. l.) singt und Gitarre spielt – ist jetzt auch schon wieder knapp elf Jahre her, war aber damals schon retro. Und seit sich die Gruppe Mitte der Nullerjahre in Prenzlauer Berg und Mitte zusammenfand, hat sich im Chuckamuck-Kosmos eine Menge getan: Aus Teenies wurden Twens, aus den hoffnungs­vollen Newcomern wurden Hitschreiber („Hitchhike“, 2013), aus der Schüler­band eine der Undergroundbands der Stunde. Es erschienen zwei Alben auf dem geschmackssicheren Staatsakt-Label („Wild for Adventure“, 2011, „Jiles“, 2013).

Nach drei albenlosen Jahren erscheint nun das dritte, selbstbetitelte Album der Band, die nur am Bass einige Personalrochaden durchlaufen hat (kürzlich ist Ziggy Alcalai am Viersaiter hinzugekommen) und sonst weiterhin aus der alten Schülercombo Oska, Lorenz (Gitarre) und Jiles alias Julius (Schlagzeug) besteht. „Wir haben uns im letzten Sommer ein paar Wochen in einem ehemaligen Jugendhaus in Brandenburg eingenistet“, erzählt Oska Wald, „dort haben wir die Songs eingespielt und bei den Aufnahmen viel herumexperimentiert.“ Auf „Chuckamuck“, das nun erneut bei Staatsakt erschienen ist, sind bewährte Lo-Fi-Garage-Rock-Kracher („Berliner Luft“) zu hören, daneben gibt’s Songs mit Surf-Einschlag („Am Strand von Koh Phangan“) und ordentlich Country- und Bluesrock-Breitseite („20.000 Meilen“, „8 am Blues“).

Wenn man den Eindruck hat, dass Chucka­muck mit dem Nimbus, den sie in Undergroundkreisen genießen, ganz genügsam und zufrieden sind, so irrt man. „Wir wollen genauso berühmt werden wie das wohl jede Band will“, sagt Oska Wald, allerdings ordne man dem Erfolg nicht alles andere unter. Zum Beispiel mache man nicht alles Mögliche mit, nur um sich zu promoten: „Als Band sollst du heute ja alle paar Stunden auf Instagram posten, was du gerade so machst. Aber wir haben auf dieses ständige Zurschaustellen guter Laune einfach keinen Bock“, erklärt er.

Wenn Wald an die großen Nummern im deutschen Pop und deren Konzerte denke – „mit Klatschen und Mitsingen und so“ – so finde er das, „mit einem Wort: ekelhaft.“ Es ist gut möglich, dass Chuckamuck, die bereits mit den Beatsteaks getourt sind, gerade wegen dieser Haltung noch sehr erfolgreich sein werden. Denn sie ziehen ­ihren Stiefel durch, geprägt sind sie dabei vom D.I.Y.-Gedanken: Das Artwork macht Wald beispielsweise immer selbst (nebenbei bringt er auch Comic-Zines heraus), und auch die Videos nehmen sie selbst auf. Produziert hat das neue Album zur Gänze Gitarrist Lorenz. In die Radio-Rotation, so Oska, wollen sie es natürlich trotzdem schaffen. „Alle sagen ­einem: Im Radio wirst du nur gespielt, wenn du in den großen Studios aufnimmst. Uns ist das egal, wir wollen das mit selbst produzierten Stücken schaffen.“

Selbst wenn die Musik zum Teil vor 50 Jahren schon genauso hätte komponiert werden können, klingen Chuckamuck sehr eigen. Und auch, wo sie covern (hier „Die Erde wird der schönste Platz im All“ von Mutter), ist der Chuckamuck-Sprachgestus unverkennbar. Der Witz von Die Ärzte, die Schnoddrigkeit von Element Of Crime, die Unsterblichkeit der Beach Boys: All das kommt zusammen, ohne dass die vier je zu Epigonen werden. ­Anders gesagt: Nichts ist neu im Hause Chuckamuck, aber alles originär.

Bi Nuu im U-Bhf Schlesisches Tor, Kreuzberg, Sa 23.9., 21 Uhr, VVK 12 €

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