Konzerte & Party

Die Schweizerin Sophie Hunger im Lido

Sophie HungerWenn Sophie Hunger mal wieder Seminare besucht an der Uni Zürich, stolpern die Schweizer Gelehrten vielleicht über ihren Namen. Hunger, die in der Schweiz sowas wie ein Popstar ist, unterschreibt Seminarlisten dann mit ihrem bürgerlichen Namen, Weltli. Damit verbinden Schweizer Kulturkenner den Künstlerclan um den Maler Albert Weltli, dessen Bilder beklemmende Traumepi­soden nach Art der Symbolisten zeigen. Literaten und Diplomaten verzeichnet Sophie Hungers Stammbaum – eine Musikerin bislang nicht. Für die Autodidaktin, die es mit ihrem Debütalbum „Monday’s Ghost“ 2008 an die heimische Chartspitze brachte, hat das Songwriting aber längst die Oberhand über das Literaturstudium gewonnen. „Ich glaube nicht, dass ich es je abschließe“, sagt sie und kokettiert dabei mit dem Selbstbild der ewigen Studentin, die die essenziellen Lehren ohnehin nicht aus Vorlesungen zieht, sondern auf weltläufigere Weise. Vor Zürich hat sie schon in Deutschland, England und im Iran gelebt; stets dort, wo es ihren Botschafter-Vater hinverschlug. Sesshaftigkeit hat die 26-Jährige kaum kennengelernt. Um auf Ideen zu kommen, setzt sich Hunger gern in irgendeinen Zug. Allein das Unterwegssein bringt sie auf neue Gedan­ken. Ihr Hit-Album hat denn auch gar nichts von der beschaulichen Wohnzimmer-At­mosphäre vieler junger Songwriter-Debüts. Dazu strömt zu viel Melancholie in ihren Harmonien, teils auch die ungezähmte Sehnsucht eines Jeff Buck­ley. In Songs wie dem von schweren Holzbläsern umrankten „Shape“ schwelt schließlich etwas Unheilvolles: eine Stimmung, für die Hungers Urgroßonkel zu den Farben Schwarz und Blau gegriffen hätte.

Text: Ulrike Rechel

Sophie Hunger, Lido, Mi 30.9., 21 Uhr, VVK: 18 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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