Konzerte & Party

Die Sterne im Postbahnhof

Die SterneAngefangen hat alles in der tiefsten Provinz, in einer Kleinstadt irgendwo in Ostwestfalen mit dem schönen Namen Bad Salzuflen. Dort veröffentlichte das Label „Fast Weltweit“ Ende der 1980er Jahre verschiedene Singles und Cassetten-Sampler von damals selbst in der Region noch unbekannten Musikern wie Jochen Distelmeyer, Bernd Begemann oder auch Frank Spilker.
Der Rest ist eigentlich schnell erzählt und nimmt spätestens mit dem Umzug Spilkers nach Hamburg im Jahre 1991 seinen Lauf. Der Begriff „Hamburger Schule“ wird zum Inbegriff für Indiepop mit deutschen Texten und obwohl die meisten Bands aus der Hansestadt die Bezeichnung nie gemocht haben – sie haben doch über Jahre erfolgreich erfolglos dagegen angekämpft.
Auch Die Sterne hingen über viele Jahre in der Schublade fest und werden noch heute darauf angesprochen, obwohl sie gerade musikalisch mit ihrem letzten Album „24/7“ ein deutliches Zeichen gegen diese Kategorisierung gesetzt haben. Was früher Indie-Pop-Intellektuell rüber kam, spricht seit ihrem Wechsel zum Münchener Gomma Label eher die Hüften an. Funk, Disco und Elektronik dominieren das aktuelle Werk, für das sich die Hamburger Mathias Modica an die Regler geholt haben. Der Einfluss des Mannes, der sich nicht nur mit seinem Kraut-Disco-Projekt MUNK in der internationalen Danc-Szene einen Namen gemacht hat, ist denn auch deutlich zu hören und sorgte bei so manchem alten Sterne-Fan für Naserümpfen.
Die Band um Sänger Frank Spilker hat nach acht Longplayern eine Art Neuanfang gesucht und gefunden. Zwar klingen die Songs nicht nur aufgrund des Fehlens jeglicher Gitarren manchmal wie die Remixe eigener Songs, doch Spilker meinte dazu nur lapidar: „Ein Original wird nicht behauptet.“
Die Kehrtwende um 180 Grad nicht mittragen wollte der langjährige Keyboarder und Wegbegleiter Spilkers, Richard von Schulenberg, so dass es im Postbahnhof nur noch drei Sterne zu sehen geben wird.

Text: Martin Zeising

Die Sterne + MUNK, Postbahnhof, Mo 26.04.10, 21 Uhr

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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