Konzerte & Party

Die Tindersticks im Postbahnhof

TindersticksFinstere Melancholie, majes­tätische Eleganz und nie gelös­te Geheimnisse – die englischen Tindersticks sind seit Mitte der 90er Jahre ein Garant dafür. Die vorübergehende Trennung 2003 hat daran nichts geändert, im Gegenteil, ihr neues, achtes Album „Falling Down A Mountain“, erstmals auf dem Kultlabel 4AD erschienen, hat erneut die Zutaten aus frühesten Tagen zu bieten, die sowohl Ruhm als auch Mysterium begründen.
Worüber wollen wir denn gemeinsam singen – wird die sagenumwobene Mary Margaret O’Hara gefragt haben, als Frontmann Stuart Staples wegen eines Duetts anfragte. Der Mutige, der Kühne, denn ganz bewusst macht sie sich ja rar seit ihrem einzigen Songwriter-Album „Miss America“, erschienen 1988, ein Meilenstein des Genres. Und er, ganz Schelm, ganz devoter Fan, wird gesagt haben: Es ist doch egal, worüber wir singen, Hauptsache, du bist dabei. „Peanuts“ heißt folgerichtig ihr betörender Song, der nahtlos an „A Marriage Made In Heaven“ mit Isabella Rossellini anknüpfen kann. Zwischen Motown und Velvet Underground liegt 2010 das Spektrum der Tindersticks, ein hypnotisch monotoner Jam irritiert gleich zu Beginn der neuen Songs, und über allem thront der stets hoch erregte Bariton Staples. Sein fiebriges Vibrato infiziert und fasziniert gleichermaßen, kein µ hat es nachgelassen über all die Jahre. Dieses Singen, so scheint es, bruchstückhaft, zögerlich preisgebend, ist seine einzige Sprache. Harmonien werden bei ihm nur unter krümmenden Schmerzen geboren, auch wenn aktuell eine neue Leichtigkeit erahnbar ist. In den letzten Jahren hat das Piano die einst herzzerreißende Violine von David Hinchliffe ersetzt, die Band ist gefälliger geworden, versöhnlicher und nacht­klubtauglich. Dandys des Weltschmerzes aber sind sie geblieben, singen sie von „Harmony Around My Table“ – ein harter Knochen, wer dazu nicht tanzen muss.

Text:Christine Heise

Tindersticks, Postbahnhof, Di 2.3., 20 Uhr, VVK: 26 Ђ

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