Konzerte & Party

Die VUP-Lounge im .HBC

VUP-Lounge

Wer in letzter Zeit ausgegangen ist, hatte vielfach Gelegenheit, auf Songs von Adele, David Guetta oder Paul Kalkbrenner abzutanzen. Aber auf alte Einpegelungsplatten aus dem Hause Decca aus den Fünfzigern? Max Dax ist sich sicher, dass es so was nur in der VUP-Lounge zu hören gibt. Die Reihe, die er vor Kurzem im .HBC initiiert hat, will der Medientausendsassa und einstige Spex-Chefredakteur als stolzen Außenposten jenseits des großen Partyhauptstroms der Hauptstadt etablieren. Die Musik, die Dax zusammen mit einem jeweils wechselnden Gast auflegt, braucht keinen anderen Kriterien zu genügen, als dass sie das DJ-Doppel bemerkenswert findet: ob Miles Davis’ „Cellar Door Sessions“ aus den Siebzigern, neuklassische Töne oder manchmal eben – als atonale Intermezzi – besagte Einpegelungsplatten, die seinerzeit mit Testfrequenzen versehen wurden, um Lautsprecher abzustimmen. Die Innovation und Detailliebe, die der 42-Jährige in derlei Lieblingsstücken entdeckt, sieht er im gegenwärtigen Nachtleben verloren. „Die meisten Club­ereignisse beruhen auf dem Missverständnis, dass Ausgehen mit Lautstärke, Drogen-Einwerfen und Beat-Matching gleichgesetzt wird“, sagt er herausfordernd.
Bei der VUP-Lounge sei dagegen explizit Platz für alles, was die eingeladenen, teils prominenten Gäste – etwa Alva Noto, Kristof Schreuf, A Guy Called Gerald, Alec Empire oder Arto Lindsay – gerne selbst hören, aber „sonst nirgendwo spielen können, weil sich sonst die Leute beschweren würden“, meint der Host. Auch den Zuhörern sei generell anzumerken, „dass sie die Radikalität zu schätzen wissen“, wie Dax nach den ersten Runden beobachtet hat. Ein paar irritierte Reaktionen hat er auch geerntet: „Neulich kam eine Frau und beschwerte sich mit den Worten ‚Ich kann zu Arvo Pärt tanzen, aber nicht zu eurer Musik'“, erinnert er sich amüsiert. Häufiger aber kämen Bar-Besucher zum DJ-Pult vor, um nachzufragen, was sich da gerade Seltsames auf dem Teller dreht, um mal wieder Platten kaufen zu gehen – oder die Recherche dafür zu starten.
Die Unterhaltung unter den Gästen hat bei diesem Konzept denn auch Vorrang vor dem Tanzen, für das die eher zugige Fläche zwischen DJ und Eingangstür vorgesehen ist. „Die Musik soll im Grunde den Barpianisten ersetzen“, erläutert der Initiator. Als unlängst Gast-DJ Gina d’Orio knisternde Disco- und Soul-Raritäten auflegte, war die Theke der am dichtesten besetzte Ort. Man bestellt Drinks – die Flasche Bier zu 3 Euro, das Glas Wein für 4,50 Euro – und ordert dazu italienische Aperitivo-Happen anstelle der gängigen Nüsschen oder Flips. Für Berliner Indie-Nachtschwärmer sind die Preise eher stolz. Doch gute Qualität solle „ruhig ihren Preis haben“, findet der in Italien aufgewachsene Gastgeber. Dafür sei schließlich der Eintritt frei.
Die ursprüngliche Idee zur VUP-Lounge ist übrigens nicht ganz neu. Anfang der Nullerjahre hatte Dax sie erstmals in Ben Beckers „Trompete“-Club gestartet. Seither habe sich nur wenig am Außenrand des Club-Einerlei entwickelt; als einzige vergleichbare Veranstaltung betrachtet Dax Berlins Pionier-Veranstaltung in Sachen stilistischer Offenheit im Berghain. Als selbst gestecktes Fernziel wünscht er sich, „dass vielleicht neben dem Elektroakustischen Salon im Berghain der Mittwochabend im .HBC für die freieste Musik steht, die denkbar ist“.

Text: Ulrike Rechel

VUP Lounge im .HBC, Jeden Mittwoch ab 21 Uhr, Mi 7.12.: Anika (Beak>), Eintritt frei

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