Konzerte & Party

Die „Yeah Yeah Yeahs“ in der Columbiahalle

Yeah Yeah YeahsEs ist bei Karen Orzolek schwer einzuschätzen, wie detailliert sie sich Gedanken über ihre Außenwirkung macht. Ob sie sich den halben Vormittag lang den Kopf zerbricht, bevor sie zu metallic-blauen Leggings greift und sich ein rotes Herz aus Legosteinen umhängt; ob sie ihre Mireille-Mathieu-meets-Manga-Frisur nachstutzt oder den Morgenmuffel-Look vorzieht. Wahrscheinlich kann die Sängerin der Yeah Yeah Yeahs gar nicht anders, als Trends zu kreieren; Stilvorlagen, die lauf­feuerhaft die Popwelt erfassen. Der Trubel um ihre Band war der Sängerin mit dem Quengeltimbre schnell zu viel. Man kann ihren Umzug ins nicht gerade als hip geltende L.A. vor vier Jahren durchaus als Flucht verstehen. Ihre Band brachte die Fernbeziehung zwischenzeitig gar an den Rand der Auflösung. Das neue, dritte Album haben die drei schließlich in konsequenter Abgeschiedenheit eingespielt. „It’s Blitz!“ entstand in Käffern zwischen Texas und Massachusetts. Teils blickten Orzolek und ihre Kollegen Nick Zinner und Brian Chase beim Musizieren auf idyllische Obstbäume. Ausgerechnet hier entstand das bisher popseligste Album des Trios, randvoll mit glitterigen Synthie-Klängen. Ihren alten Kratzbürsten-Charme hat Karen O. um eine Fülle Facetten erweitert. Neben der Punk-Göre zeigt sie sich als verwundbare Diva; in der Partyhymne „Heads Will Roll“ verwandelt sie sich zur strengen Dis­co-Gebieterin, die zu P.I.L.-artigen Bässen fordert: „Dance till yer
dead!“ Nun wird sie noch viel öfter an den Größten gemessen: New Yorks Club-Ikonen Debbie Harry und Grace Jones. Vergleiche, die Karen O. als beengend empfinden muss. Wo sie doch vermutlich noch auf dem Mars einen Hype auslösen würde.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Josh Wildman

Yeah Yeah Yeahs, Columbiahalle, Mi 6.5., 21 Uhr, VVK: 24 Euro

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