Konzerte & Party

Die Zimmermänner im Ausland

Die Zimmermänner

„Wunderbar selbstironischer gereifter Herrenpop“, kommentierte auf YouTube kürzlich ein weiblicher Fan das Zimmermänner-Stück „Die große Sporadische“, das im letzten Jahr leider etwas zu spät für einen Sommerhit erschien. Das Wörtchen „Herrenpop“ könnte man auch despektierlich verstehen. Aber die Herren Diederichsen und Blunck sind lange genug dabei, so dass sie sich schon rein haltungstechnisch vom aktuellen Popbetrieb abgrenzen müssen. Ihr Debüt von 1982 mit dem geistreichen Titel „1001 Wege Sex zu machen ohne daran Spaß zu haben“ ist ein Klassiker des deutschsprachigen Sophisto-Pop. In der Neuen Deutschen Welle waren die Zimmermänner mit ihren Seitenscheiteln und den studentischen Pullundern immer eine seltsame Erscheinung geblieben. Statt „Tanz den Mussolini“ hieß es bei ihnen „Ich werde in der Sonne immer dicker“. Englische Bands wie ABC, Aztec Camera und Prefab Sprout waren damals ihre Vorbilder. Nach einer schier ewigen Pause treten Detlef Diederichsen, heute musikalischer Leiter am Haus der Kulturen der Welt, und Timo Blunck seit einigen Jahren wieder sporadisch auf. Ihr aktuelles Album „Ein Hund namens Arbeit“ zwischen wohltemperiertem Softrock, hintersinnigem Lounge-Pop und hedonistisch-kritischer Theorie ist ein Jungbrunnen deutschsprachiger Popmusik – ganz ohne Herrenwitze.

Text: Andreas Busche

Foto: Elliot Blunck

Die Zimmermänner, Ausland, Lychener Str. 60, Prenzlauer Berg, Do 7.5., 22 Uhr, AK: 14,50 Euro

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