Konzerte & Party

Dienstag in der Zitadelle Spandau: Stevie Wonder

Stevie WonderErst „Hotter Than July“, sein Einstand in die Achtziger, ließ erkennen, dass selbst ein Stevie Wonder nicht davor gefeit war, auf erworbenen Lorbeeren auszuruhen. Und doch sollte sich diese Platte noch als sein künstlerischer Höhepunkt jener Dekade erweisen. Denn da lief dem so facettenreichen Sänger und begnadeten Mundharmonikaspieler stilistisch leider manches aus dem Ruder. Vor allem durch die Songs „Ebony & Ivory“ und „I Just Called To Say I Love You“ handelte er sich Achillesversen ein. Zwar gingen beim Duett mit McCartney die textlichen Plattitüden aufs Konto des Ex-Beatle, doch fürs berüchtigte Heimorgel-Traditional trug Wonder alleinige Verantwortung.
Letzteres liegt nun ein Vierteljahrhundert zurück – und bis 2008 sah man Stevie Wonder fast ebenso lang (auf der Waldbühne gab es 1987 noch ein verregnetes Ausnahme-Gastspiel) nicht mehr auf europäischen Bühnen. In der Zwischenzeit schien es, als ob der Mann nur noch für Soundtracks, Grammy-verheißende Duette und Memorials (zuletzt das Gedenkkonzert für Michael Jackson) zur Verfügung stehe, ansonsten aber darauf vertraue, über die zahlreichen Neuinterpretationen seiner Stücke im Gespräch zu bleiben. Nicht zuletzt George Michael, Coolio und Beyoncй bedienten sich beim Wonder-Songbook.
Den Eindruck eines verdienten Pioniers ohne größere neue Ambition vermochte auch das Album „A Time To Love“, mit dem Wonder 2005 seine zehnjährige Plattenpause beendete, nicht ganz zu revidieren. Doch schuf der heute 60-Jährige in seiner Blüte derart viel Zeitloses, wofür sonst kein einzelnes Menschenleben ausreichen würde. Insofern dürfte die Möglichkeit, eine zweistündige Auswahl von ihm selbst und einer zehnköpfigen Band live präsentiert zu bekommen, nun Ereignis genug sein!

Text: Markus von Schwerin

Stevie Wonder, Citadel Music Festival, Zitadelle Spandau, Di 13.7. , 19 Uhr, VVK: 65 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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