Konzerte & Party

Dieter Moebius (1944-2015)

Dieter Moebius (1944-2015)

Eigentlich war er Schweizer, doch stand Dieter Moebius zeitlebens für eine Musik, die weltweit eher mit dem Gütesiegel „Made in Germany“ in Verbindung gebracht wird. Ausgeklügelte, sphärische Elektronik, anfangs erzeugt mit den exotischsten Gerätschaften, die der Markt hergab und die nicht zuletzt Pop-Avantgardisten wie Brian Eno und David Bowie inspirierte. Moebius experimentierte seit den späten 60er-Jahren, damals in West-Berlin wo er studierte, mit seltsamen Proto-Synthesizern, Orgeln, Effektgeräten. Zusammen mit seinen Weggefährten Hans-Joachim Roedelius, dem das Haus der Kulturen der Welt in diesem Herbst ein eigenes Festival widmet und wo nun, da Moebius 71-jährig am 20. Juli verstorben ist, an die Werke des Kollegen erinnert werden könnte, und Conrad Schnitzler gründete er die Formation Kluster.
Nach Schnitzlers Weggang wurde aus Kluster Cluster, eine prägende Gruppe, die ein freies, avantgardistisches Spiel aus Minimal Music, Kosmischer Musik, Ambient und Psychedelia betrieb. Mit dem nächsten Projekt, der „Supergruppe“ Harmonia, der sich Neu!-Gitarrist Michael Rother anschloss, feierten Roedelius und Moebius in den mittleren 70er-Jahren regelrechte Erfolge. Keine Selbstverständlichkeit für die doch ziemlich anspruchsvolle Musik, die sich nie so recht in das international anerkannte Genre „Krautrock“ fügen wollte.
Schon bald verschwanden sie aus dem Fokus der Öffentlichkeit. Möbius produzierte dennoch weiter, allein in den 80er-Jahren entstand ein halbes Dutzend Schallplatten, teilweise in Zusammenarbeit mit dem legendären Produzenten Conny Plank aber auch mit Mani Neumeier von der abenteuerlustigen Krautrockgruppe Guru Guru. In den 90ern wurden die alten Meister der Elektronik von den Protagonisten der Techno-Generation wiederentdeckt, die DJs und Produzenten mussten feststellen, dass ihre Musik nicht aus luftleerem Raum kam, sondern ihre Wurzeln in der Arbeit ebensolcher Künstler wie Dieter Moebius hatte. So bekam er durch die Würdigung der Enkel nochmals späte Genugtuung. Harmonia wurde kurzzeitig reformiert, auch als Cluster arbeitete er mit Roedelius noch bis 2010 zusammen. Das Hamburger Label bureau b kümmert sich liebevoll um Veröffentlichungen, 16 Werke von und mit Beteiligung von Moebius sind dort im Katalog zu finden. Solo, Projekte und die bekannten Bands. Und wer weiß, was noch in den Archiven schlummert? Vielleicht wird man schon bald wieder von Dieter Moebius hören!

Text: Jacek Slaski

Foto: Alex Ex, Wikimedia

Mehr unter www.dietermoebius.de

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