Konzerte & Party

Dinosaur Jr. im Astra Kulturhaus

Dinosaur Jr.Kaum ein Monat vergeht, in dem sich nicht eine Band mit großen Zeiten in den 80ern und 90ern zurück­meldet. Was das angeht, sind Dinosaur Jr. dem Trend voraus. Dass das alte Trio aus Joseph „J“ Mascis, Bassist Lou Barlow und Drummer Murph rundläuft wie ein frisch geölter Austauschmotor, haben die drei Lärm­ästheten schon vor 2006 vorgeführt. „Beyond“ hieß die Comeback-Scheibe der jahrelang zerstrittenen Indie-Nerds: eine Fortschreibung der klassischen Rezeptur um Feedback-Wälle, frei fliegende Gitarrensoli und feine Melodien. Das klang angenehm selbstverständlich, fast unspektakulär. Der Nachfolger nun, „Farm„, ist viel prachtvoller und verspielter: Die Songs rollen mal überraschend heavy heran oder begnügen sich mit Stooges-hafter Reduktion. Die Melodien und Soli gehen Mascis so geschmeidig von der Hand wie einem versierten Schaukoch sein Menü vor andächtiger Tafel. Dabei sieht der Mittvierziger wie immer so aus, als habe man ihn eben unsanft aus dem Tiefschlaf gerüttelt. Dass er seit ein paar Jahren ein glück­lich verheirateter Mann ist, sieht man dem Egozentriker mit der schlohweißen Rockermatte nicht unbedingt an. Und wer sich eines seiner Interviews auf YouTube ansieht, die kurzen, beinahe unhörbaren Antworten hört, glaubt, einen fernen Verwandten des Simpson-Clans vor sich zu haben. Es ist wohl derselbe Sinn fürs Skurrile, mit dem sich der Hobbygolfer bis heute an Dinge erinnert wie den Namen des Musikladens, in dem er seine erste Gitarre kaufte. Slimy Bob’s Guitar Rip-off hieß das Geschäft; Mascis verließ es mit einer Fender Jazzmaster. Bis heute ist sie das Instrument, ohne das Dinosaur-Songs nicht denkbar wären, verrät Mascis gelegentlich mit dem Anflug eines Lächelns. Leidenschaftlicher sind Liebeserklärungen von einem wie ihm nicht zu haben.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Brantley Gutierrez

Dinosaur Jr., Astra Kulturhaus, Mo 21.9., 21 Uhr, VVK: 24 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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