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Dirty Pretty Things

Dirty_Pretty_Thingstip Überraschung! Diese Band hat mehr als nur die Person Carl Barвt zu bieten, dem neuen Album „Romance At Short Notice“ nach zu urteilen.
Carl Barвt Na, das will ich doch mal schwer meinen! Beim ersten Album war das vielleicht noch nicht so klar, es wurde schnell und ohne große Überlegung aufgenommen. Ich war noch damit beschäftigt, mich von den Schatten der Vergan­genheit zu befreien. Jetzt hört man hoffentlich, wie wir alle zusammen an der Herausforderung Dirty Pretty Things wachsen.

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tip Dennoch haben Sie sich nicht ganz von den Schatten der Vergangenheit gelöst. Der Song „Hippy’s Son“ spielt auf ihre eigene Kindheit an. Was war so schlimm daran? Ich bin sicher, viele Kinder auf dieser Welt hätten gerne mit ihnen getauscht.
Barвt Es gibt da schon ein kathartisches Element, aber es geht nicht nur um mich, so in der Art von: Hoppla, jetzt komm ich! Hört alle mal her! Ich spreche ganz allgemein über politische Hippies. Leute, die sich aus der Gesellschaft verabschiedet haben. Ich erinnere an das England der 80er Jahre, als bei uns Armut wie in der Nachkriegszeit herrschte. Als Thatcher die Arbeiterklasse zermürbte. Dieses England könnte nach Einschätzung vieler wieder auferstehen, und ich finde wirklich nicht, dass das sein muss. Ich stelle mich also hin und erlaube mir, etwas dazu zu sagen – wie ein Wirrkopf, der meint, er könne politisches Bewusstsein schaffen. (lacht)
tip Ihre Heimat lag Ihnen schon immer am Herzen. Noch aus Libertines-Zeiten kennt man Anspielungen auf das mystische Land Albion. Jetzt liefern Sie einen Song ab, der „Tired Of England“ heißt.

Barвt Als Band spüren wir, wie gerade in der britischen Indie-Szene gerne über die eigene Herkunft gejammert wird. Was für ein Blödsinn! Haltet euch an das, was da ist, dreht ihm nicht den Rücken zu, und erinnert euch daran, dass allem auch ein Stück Romantik innewohnt. Trotzdem: Die negative Stimmung zurzeit hat ihre Gründe. Die Einkommensunterschiede sind immens, es kündigt sich eine Rezession an, und das soziale und moralische Wertesystem geht den Bach runter. Ein Sturm steht bevor. Höchste Zeit für eine Gewitterwarnung.
tip Wie hat es sich ausgewirkt, mal nicht in Britannien im Studio gewesen zu sein?

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Barвt Jeder glaubt jetzt wahrscheinlich an die typische Rock’n’Roll-Arie. Wie wir Hollywood unsicher machen und dort die Sau rauslassen. Aber ist es ja nicht so, dass wir reich und unglaublich populär wie die Beckhams sind und alle nur auf uns warten. Wir haben etwas außerhalb von Los Angeles aufgenommen, weil es dort billiger als
in England ist. Es sah dort wie im Osten Berlins in den 60ern aus. Nur Beton und sonst nichts. Aber man konnte sich auf seinen Job konzentrieren.
tip Wollten Sie der Aufmerksamkeit entfliehen, die besonders Ihnen zu Hause entgegengebracht wird?
Barвt Es ist doch gut, wenn die Leute interessiert sind. Ablenkungen in London können aber schon zum Problem werden. Wenn man weiß, dass an jeder Ecke eine Party mit Freidrinks wartet. Also haben wir es mal mit was Anderem versucht. Ja, zum Teil auch deshalb, um dem ganzen Gerede zu entfliehen. Es ist ja nicht so, dass ich bewusst auf einen Stammplatz in den Klatschspalten abziele. Ich habe Lust auf Musik, deshalb sitze ich hier.
tip Haben Sie mal „Shotter’s Nation“ gehört, das letzte Album von Babyshambles?

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Barвt Ja, gute Platte.
tip Auf der Website des „New Musical Express“ werden Sie mit den Worten zitiert, Sie und Pete Doherty hätten noch Dinge zu erledigen.
Barвt Ich habe immer gesagt, dass Pete für mich wie ein Bruder ist. Er wird auf keinen Fall aus meinem Gedächtnis verschwinden. Ich glaube ganz sicher, dass wir noch mal zusammen Songs schreiben werden, in welcher Konstellation auch immer. Aber jetzt gilt meine volle Aufmerksamkeit den Dirty Pretty Things. Das ist eine verdammt gute Band.

Text: Thomas Weiland

Motor im Grünen mit Dirty Pretty Things, Editors, Polarkreis 18, I Am X, Fotos, The Gun u.a., Zitadelle Spandau, Sa 16.8., ab 15 Uhr, VVK: 26,20 Euro

Zitadelle Spandau

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