Brazil Fusion

Dirty Samba: Elza Soares

Elza Soares ist auch mit 80 Jahren noch die Queen des raffiniert synkopierten 2/4-Takts

Wie das Fauchen einer Kämpferin klingt ihr heiser-rauer ­Gesang. Und eine Kämpferin ist Elza Soares zweifellos: Ihr Leben ist von Abstürzen und Comebacks geprägt, so facettenreich, dass es Thema eines Musicals („Crioula“) und eines Dokumentarfilms („My Name Is Now, Elza Soares“) wurde. Die konflikt- und alkoholreiche Beziehung mit Mané Garrincha, dem legendären brasilianischen Fußballspieler, und Schicksalsschläge wie den tragischen Unfalltod ihres Sohnes überstand sie, angeschlagen – aber nie besiegt.

Immer noch wild nach all den Jahren: Elza Soares – Foto: Stéphane Munnier
Immer noch cool und wild nach all den Jahren: Elza Soares – Foto: Stéphane Munnier

Im Jahre 2000 kürzte die BBC sie zur „Besten Sängerin des Millenniums“. Denn Soares fauchend-kratzige Interpretation der Samba lässt nie einen Zweifel daran, wo dieser brasilianische Musikstil seine eigentliche Wurzel hat: im Geschichtsdunkel der Sklavenzeit und in den Favelas von Rio, wo Soares 1937 als Tochter einer Waschfrau und eines Fabrikarbeiters im Slum Água Santa geboren wurde. Mit 16 gewinnt sie einen Gesangswettbewerb und hat 1960 mit ihrem Debütalbum „Se Acaso Você Chegasse“ ihren Durchbruch.

Sie avanciert zur Diva der Samba, doch Soares‘ Samba war schon immer schroffer, abgründiger und auch politischer als es die raffiniert synkopierte 2/4-Takt-Musik gewöhnlich ist. Und auch mit fast 80 zeigt sie, dass sie ganz im Heute spielt. Für ihr aktuelles, ihr 34. Studioalbum „A Mulher do Fim do Mundo“ hat sie sich mit den spannendsten Köpfen der jungen Musikszene São Paulos zusammengetan und mischt den Samba mit Afrorock, Elektro und Punk zu aufrührenden Tönen und Themen wie häuslicher Gewalt, Transsexualität, Rassismus und urbanem Elend.

Trotz Rückenproblemen, die sie seit Jahren zwingen, im Sitzen zu singen, tritt Soares weiterhin auf. Eine Kämpferin eben. Außer ihr wird bei ihrem Konzert im Huxley’s aber sicher niemand sitzen bleiben ­– sondern tanzen. -icke

Huxleys Neue Welt, Hasenheide 108, Kreuzberg, Do 10.11., 20 Uhr, VVK: 28,20 €

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