Konzerte & Party

Dispatch im Postbahnhof

Dispatch

Es gibt immer wieder Bands, die auch ohne große Medien-Marketing-Maschinerie oder generierte Plattenfirmen-Hypes eine natürliche Popularität genießen, auf die sämtliche Reißbrett-Rockacts neidisch sein dürfen. Zumindest in den USA sind musikalische Erfolgsgeschichten, die auf harter Live-Arbeit und dazugehöriger Mund-zu-Mund-Propaganda basieren, kein Ding der Unmöglichkeit. Wohl bekanntester Vertreter jener Ausreißerzunft dürfte sicherlich die Dave Matthews Band sein, die in ihrer amerikanischen Heimat in der jährlichen Live-Topverdiener-Liste schon lange neben internationalen Publikumsmagneten wie U2 oder Lady Gaga steht. Selbst wenn Dispatch in diese Dimensionen noch nicht vorgestoßen sind, sind die Parallelen evident: Auch Dispatch gehören zur seltenen Spezies der ungezwungenen Jam-Bands, sie sind musikalische Genregrenzgänger, die sowohl Folk- als auch Reggae- und Funk-Einflüsse ohne Zielgruppendruck in ihrem ganz eigenen Sound verschmelzen. Ursprünglich von 1996 bis 2002 aktiv, konnte das Trio aus dem Bostoner Umland für sein offizielles Abschiedskonzert im Jahre 2004 letztlich eine Fan-Schar von über 100.000 Zuschauern mobilisieren – nicht schlecht für eine Gruppe, die weder in Funk noch Fernsehen jemals im Dauerrotations-System zu finden war.
2007 folgte dann die erste Revision für die von den üblichen Solopfaden gesäumte Trennungsphase. Mit drei ausverkauften Benefizshows im New Yorker Madison Square Garden zelebrierten Dispatch die erste Vorbotenrunde ihrer Reunion, die seit 2011 in Kraft trat und im letzten Jahr gar im neuen Material des fünften Studioalbums „Circles Around The Sun“ mündete. Gewohnt luftig, wenn auch vielleicht etwas weniger verspielt als in der Vergangenheit, haben Dispatch darauf bewiesen, dass ihr beherzt-scheuklappenfreies Spiel zwischen den Sujet-Stühlen nichts an seiner Faszination verloren hat. Dass die größte Stärke der Band weiterhin in ihrer Bühnenpräsenz liegt, die von dreistimmigem Satz­gesang, Instrumenten-Ringtausch und ungezwungenen Improvisationen lebt, liegt bei dieser Vita allerdings auf der Hand.

Text: Frank Thiessies

Foto: Ryan Mastro

Dispatch + Kongos, Postbahnhof, Sa 26.1., 20 Uhr, VVK: 20 Euro zzgl. Gebühr

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