Konzerte & Party

DJ Koze im Stattbad Wedding

DJ Koze

tip Sie haben Ihr neues Album zum Teil in Cadaquйs produziert. Welchen Einfluss hatte der Aufenthalt in diesem katalanischen Fischerdorf?
DJ Koze Ich glaube, es hatte einen großen Einfluss. In diesem Dorf ist kulturell nichts los. Man bleibt von Hipster-Impulsen verschont, von all diesen musikalischen Strömungen, über die man in Blogs und Magazinen liest. Ich konnte mich dort viel besser als in Hamburg auf die Musik konzentrieren.

tip Sie waren in den Neunzigern Mitglied der Hip-Hop-Formation Fischmob. Seitdem machen Sie Schritt für Schritt einen Reifesprung …
DJ Koze Ich will heute schon eine eigene Vision vertreten und mich von üblichen Kategorisierungen abheben. Wenn man saufen und abfahren will, wenn es so richtig knallen und der DJ bei einem Auftritt womöglich noch ins Publikum springen soll, ist man bei mir nicht an der richtigen Adresse. Ich will Musik produzieren, die für Qualität und Ideen steht.

tip Das braucht seine Zeit. Ihr Vorgängeralbum „Kosi Comes Around“ ist acht Jahre alt. Geht es nicht schneller?
DJ Koze Ich bin noch mit anderen Dingen beschäftigt. Es gab das zweite Album von International Pony, DJ-Touren, Remixe und Arbeit für mein Label Pampa. Die Leute haben das aber nicht alles auf dem Schirm, selbst die aus meinem Musiker-Freundeskreis nicht. So ein Album ist schon ein Statement, das längere Zeit wirkt. Vielleicht sollte ich mich mehr auf solche Werke konzentrieren und nicht so oft herumspringen.

tip Auf „Amygdala“ sind Sänger aus der von Ihnen beschriebenen Hipster-Szene dabei: Caribou, Apparat, Matthew Dear. Sie haben aber auch mit Gesang von Hildegard Knef gearbeitet. Was reizte Sie daran?
DJ Koze Grundsätzlich habe ich ein Problem mit deutschsprachigem Gesang. Ich habe da immer das Gefühl, ich soll hinter das Licht geführt werden. Dazu bin ich nicht bereit. Bei Hilde spüre ich, dass sie sich in keiner Weise dafür interessierte, wer da jetzt zuhört. Es kam einfach aus ihr heraus. Ella Fitzgerald hat mal gesagt, die Knef sei für sie die größte Sängerin ohne Stimme. Das ist in der Tat so. Aber sie hatte dafür diese besondere Strahlkraft, diese mysteriöse Einzigartigkeit. Das findet man nicht mehr so oft.

Interview: Thomas Weiland

DJ Koze + Isolee + Duke Dumont u.a., Stattbad Wedding, Sa 6.4., 23 Uhr, AK 10 Euro

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