Konzerte & Party

DJ-Rookie-Night im Club Hotel

Foto: Betty MyllerSo eine DJ-Nachwuchs-Nacht ist ja erst mal kein Grund für Aufregung – noch weniger, wenn man deutlich älter als 18 Jahre alt ist. DJ-Wettbewerbe finden andauernd irgendwo statt – auch in Neuruppin. Und vielleicht ist das Konzept im klassischen Sinn längst überholt, denn immer häufiger erledigen DJs ihren Job am Laptop, statt Vinylplatten zu scratchen und ineinan­derzumischen. Sinn macht so eine Veranstaltung nur, wenn sie in der Lage ist, etwas über den Abend hinaus zu bewegen, wenn Türen geöffnet werden auch für neue Projekte.
Andreas Cörnel veranstaltet die Partyreihe Rookie-Night mittlerweile zum vierten Mal. Wir treffen ihn zusammen mit einigen Nachwuchs-DJs – übrigens alle­samt Jungs – in Kreuzberg. Einer bestellt Kaffee, ein anderer eine kleine Cola – Rock’n’Roll ist was anderes, denken wir uns, finden aber junge „Cola-und-Kaffee-DJs“ grundsätzlich angenehmer als junge Komasäufer. Veranstalter Andreas ist ein Schlaks, über zwei Meter groß, mit einem sympathischen Lächeln.
Gleich zu Beginn erklärt er, dass dies voraussichtlich die letzte Veranstaltung dieser Art für ihn sei, weil er an seine Grenzen gelangt ist, was die Möglichkeiten zur Nachwuchsförderung betrifft. Welche das sind, fragen wir, denn Gage gibt es – abgesehen vom Taxigeld – für aufstrebende DJs bei ihm keine. Er könne nicht garantieren, dass die Rookies auch zukünftig bei befreundeten Veranstaltern unterkommen. Immer we­niger Clubs wären bereit, mit New­comern zu arbeiten – der Konkurrenzdruck scheint derzeit zu groß für Experimente. Vielleicht ist der Markt auch einfach schon gesättigt.
Das Clubleben ist in stetiger Veränderung. Fast schon sinnbildlich wirkt da der Veranstaltungsort für die letzte Party mit Tama Sumo als erfahrene Schirmherrin. Das Hotel ist eine Übergangslocation – ein Club im Kellergeschoss eines noch im Umbau befindlichen 350-Betten-Hotels. Im Vorraum hängen kleine und große Bilder von Streetart-Künstlern, der Schriftzug „Hotel“ hängt aus Wolle hübsch gerahmt dazwischen. Der Club ist schlicht gehalten, nicht zu groß, und die Räume – so hört man – meist rappelvoll. Bisher konnte man hier auf Promo­tion verzichten, vor allem Mund-­zu-Mund-Propaganda zieht am Abend Leute an. „Schicki­micki-Typen, Intellektuelle, Kreuz­berger Kapuzenträger“, sagt eine Mitarbeiterin. Spätestens Mitte diesen Jahres, wenn das Michelbergerhotel fertig gebaut und eröffnet sein wird, ist der Club im Keller wieder dicht.
Nachwuchs-DJ Christian Scheel hat an der ersten Rookie-Night teilgenommen. Er hatte zuvor schon mal aufgelegt, sagt er, au­ßer­­halb in Brandenburg, aber nie in einem Berliner Club. Es wäre nahezu unmöglich, als No-Name ohne gute Kontakte an ein Booking in der Stadt zu kommen. Inzwischen legt Christian häufiger auf, darunter im Mädcheninternat, ZMF und Arena Club, in diesem Sommer ist er beim großen Open-Air-Festival Sonne, Mond und Sterne dabei.
Er hat ein eigenes Plattenlabel, Mimikri Musik, gegründet sowie die Booking-Agentur Stadtwild – für einen Anfänger keine schlechte Bilanz. Er hätte sich das alles schon selbst erarbeitet, fügt er hinzu, aber die Rookie-Night war eine Art Initialzündung für ihn. Dabei ist Veranstalter Andreas Cörnel von Anfang an interessiert, talentierte DJs wie Scheel auch außerhalb der Rookies-Night bei befreundeten Veranstaltern unterzubringen. Er gibt ihnen Tipps, wie sie ihre Netzwerke ausbauen, sich mit eigenen Partyreihen selbst organisieren und damit unabhängig machen können vom etablierten Veranstalterklüngel. DJ Flamea heißt im normalen Leben Philipp Hentschel und war als Nachwuchs-DJ bei der dritten Rookie-Night dabei. Inzwischen hat er sich mit befreundeten Nach­wuchs-DJs zusammengetan, gemeinsam veranstalten sie nun die Partyreihe „3D“.
Die Starthilfe, die Cörnel hierbei leistet, ist nicht uneigennützig. Der Partyveranstalter sichert sich über die neu entstehenden Netzwerke nachwachsendes Publikum auch für die eigenen Partys.
Unter Branchenkollegen stößt die Nachhilfe für angehende Konkurrenz nicht nur auf Begeisterung. Es gäbe schon zu viele DJs und Veranstalter in der Stadt, und der Kuchen reiche nicht für alle, sind deren Argumente. Aber auch die Regeln des Wettbewerbs finden ihre Kritiker. So beschwerte sich der damalige Neu-DJ Jake The Rapper einmal über die Altersbegrenzung für Teilnehmer – älter als 26 Jahre ist bei der Rookie-Night die Obergrenze.

Text: Jackie Asadolahzadeh

Foto: Betty Myller

Möbelrücken und Delikat, DJ-Rookie-Night mit Schirmherrin Tama Sumo, Hotel, Warschauer Straße 39/40, Sa 7.3., 22 Uhr, 5 Euro (für Mitglieder 3 Euro)

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