Konzerte & Party

Doc Chad im Ausland

Eugene Chadbourne

Eugene Chadbourne ist schon so lange in der amerikanischen Independent-Szene unterwegs, er könnte ein Buch darüber schreiben. Genau genommen hat er das vor einigen Jahren mit „I Hate the Man Who Runs This Bar!“ bereits getan. Chadbournes Selbstbetrachtungen als Do-it-yourself-Labelbetreiber im Dauertour-Modus gewähren einen schönen Einblick in den eigenwilligen Humor des durchgeknallten Gitarren- und Banjo-Virtuosen, dessen Live-Auftritte genauso unvorhersehbar sind wie die Namen seiner Mitstreiter. Chadbournes musikalische Partnerschaften in den vergangenen 35 Jahren reichen von den Violent Femmes und Indie-Urgestein Kramer, mit dem er Mitte der Achtzigerjahre in der einflussreichen „Anarcho-paramilitary-electro-folkie“-Combo Shockabilly spielte, über Knitting-Factory-Stammkräfte wie John Zorn und Fred Frith bis hin zum ehemaligen Mothers-of-Invention-Drummer Jimmy Carl Black. Zappas Frühphase ist bis heute ein hörbarer Einfluss für Chadbourne, der mit Vorliebe Folk und Country zerpflückt und frei improvisiert wieder zusammensetzt.
Live hat er in den letzten Jahren die Gewohnheit entwickelt, sich auf der Bühne mit selbst gebautem Equipment (darunter einem elektrisch verstärkten Laubrechen) zu umgeben und die klanglichen Qualitäten seiner Instrumente zu erforschen. Chadbourne-Konzerte sind gleichermaßen Lehrstunde und formidable Unterhaltungskunst. Dass sich der rüstige Avantgarde-Hillbilly noch immer freiwillig den Strapazen des Touralltags aussetzt, zeugt von einem unermüdlichen Sendungsbewusstsein. Chadbourne gehört zu den großen Konstanten in der amerikanischen Independent-Musik – und zu ihren letzten Verrückten.

Text: Andreas Busche

Doc Chad feat. Schroeder, Support: Konrad Sprenger, Ausland, Lychener Straße 60, Prenzlauer Berg, ?Di 9.9., 20 Uhr, VVK: 10 Euro zzgl. Gebühr

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