Konzerte & Party

Doctorella im Kater Holzig

Doctorella

Berlin ist ein viel besungener Musenort – wenn auch mit recht ausgewogenem Verhältnis zwischen Hassliedern und Liebesoden. Auch bei Doctorella liegen Sehnsuchtsort und Absturzstelle dicht beieinander. „Drogen und Psychologen“ heißt dann auch die Platte der Band um die Schwestern Sandra und Kerstin Grether. In dem Dutzend Elektropop-Songs wird die Wahlheimat zum großen Gegenüber: In „Liebe Stadt“ etwa wenden sich die Grethers an eine Art verlottertes Lebewesen, in dem man sich auch in schwachen Stunden wiederfinden kann: „Ich bin kaputt wie du, hab so viel Mut wie du“, heißt es da, später dann singen sie: „Gib mir Fieber!“
Immer wieder streifen die beiden Songschreiberinnen, die zuletzt vor allem als Buchautorinnen und „Slutwalk“-Organisatorinnen aktiv waren, durch grauwertiges Stimmungsterrain, das Persönliche ist meist politisch. Das selbstgefällig gewordene bürgerliche Umfeld etwa wird im Titelstück einer teils verärgerten, teils ängstlichen Prüfung unterzogen mit Sätzen, die zu anderen Zeiten auch auf Tocotronic-Platten gepasst hätten: „So ich-versichert-privatistisch möchte ich mal sein“, heißt es da. Trotzdem klingen Doctorellas Großstadt-Lektionen oft mit einer positiven Schlussnote aus; etwas anders vielleicht als noch zu Riot-Girl-Tagen mit Sandra Grethers erster Band Parole Trixi. Auf musikalischer Seite klingt das mithilfe von Jakob Groothoff und Mesut Molnбr an Bass und Schlagzeug oft erfreulich groovebetont und tanzselig, man denkt an den Mikrofunk von Bands wie Gossip oder The Strokes, gelegentlich auch an Courtney Love und Co: Ein bisschen Heldenverehrung darf schon sein.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Robin Hinsch

Doctorella, Kater Holzig, Fr 20.4., 20 Uhr, AK: 10 Euro

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