Konzerte & Party

Doherty, Casablancas und Plenti live in Berlin

Julian PlentiEin ähnliches Problem plagt Paul Banks. Den 31-Jährigen kennt man als Sänger von Interpol. Bevor die Band 1998 an den Start ging, versuchte sich Banks mit Akustikkonzerten unter dem Namen Julian Plenti, den er nun wieder ausgegraben hat. Eigentlich purer Etikettenschwindel, denn die Songs auf „Julian Plenti Is … Skyscraper“ hören sich wie Demos für Interpol an. Warum Banks so konservativ agiert, ist uner­klär­lich. Er hätte jederzeit das Zeug dazu, einen radikalen Kurswechsel zu vollziehen. Banks ist in England geboren, hat in Spanien und Mexiko gelebt und kennt die Musikkultur dieser Länder. Privat hört er am liebsten HipHop, und wenn sich die Gelegenheit bietet, legt er diese Musik auch in Clubs auf. Erst wenn er sich mal traut, mit diesen oder ganz anderen Einflüssen zu arbeiten, könnte es interessant werden.
Peter Doherty hatte sich zumindest bis zu seinem Auftritt am letzten Samstag (28.11.) in München heimlich, still und leise aus den Schlagzeilen und Klatschspalten verabschiedet und gemerkt, dass Supermodels nicht gut für die Gesundheit sind. Die Zeiten, als er breit im Studio erschien und „Fuck Forever“ lallte, schienen der Vergangenheit anzugehören – bis er Peter Dohertybeim Auftritt für Bayern2 die erste Strophe des Deutschlandliedes anstimmte. Inzwischen hat der Singer/Songwriter sich entschuldigt und verlauten lassen, dass er sich der Tragweite der Strophe nicht bewusst gewesen sei. Man darf also gespannt sein, welchen Doherty man in Zukunft zu Gesicht bekommt, denn immerhin hielt der Mann zwischenzeitlich sogar Auftrittszeiten ein. Man freute sich ein bisschen für ihn, war sich aber unsicher, ob die neue Professionalität seiner Musik wirklich gut tut. „Grace/Wastelands“ ist ein reifes Album geworden, es klingt manchmal nach Folk, französischem Chanson, altmodischem Jazz und oft genug nach ihm selbst. Damit bewegt sich Doherty vom Zentrum des Pop-Geschehens weg, ausgerechnet jetzt, wo ein neues Jahrzehnt und höchstwahrscheinlich auch eine neue musikalische Ära beginnt. So eine Zeitenwende hat in der Vergangenheit schon so manchen ins zweite Glied befördert. Unsere drei Kandidaten müssen auf jeden Fall aufpassen. Besitzstandswahrung allein wird sie kaum in die nächste Bestenliste katapultieren.

Text: Thomas Weiland

Foto von Peter Doherty: Kevin Westerberg

Peter Doherty, Kesselhaus, Mi 2.12., 21 Uhr, VVK: 33 Euro
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

Julian Casablancas, Magnet, Do 3.12., 20 Uhr, VVK: 24 Euro
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

Julian Plenti, Festsaal Kreuzberg, Mi 9.12., 21 Uhr, VVK: 28 Euro
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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