Konzerte & Party

Lauryn Hill im Tempodrom

Lauryn Hill

Vor fünf, sechs Jahren wollte man sie schon als vermisst melden. Damals deutete nichts darauf hin, dass die Veröffentlichung des Nachfolgers ihres epochalen Solodebüts „The Miseducation of Lauryn Hill“ bevorsteht. Die Dame ließ und ließ sich nicht locken, auch nicht durch Millionenbeträge, die ihre Plattenfirma Columbia zwischendurch für Studioequipment und Musikerakquise lockermachte. Wirklich überraschend war die Blockadehaltung nicht. Wer richtig zugehört hatte, musste wissen, wie Hill tickt. In ihren Songs sprach sie davon, sich nicht kommentarlos für die Karriere knechten zu lassen. Vor allem die liebe Familie sei ihr heilig. Sechs Kinder hat sie inzwischen, aber sie sind nicht der alleinige Grund für die lange Abstinenz. Angeblich tue sich Hill schwer, ihrem eigenen Qualitätsanspruch gerecht zu werden. „Come on baby, light my fire, everything you drop is so tired, music is supposed to inspire, how come we ain’t getting no higher?“, tadelte sie einst in „Superstar“. So eine Kritik konnte sie sich damals erlauben, weil sie ahnte, dass ihr mit „Miseducation“ ein echter Coup gelungen war.
Alle erwarteten 1998 zuallererst ja Neues von The Fugees, die nicht zuletzt dank Hill ihren Durchbruch gefeiert hatten. Die leicht durchschaubare Methode dieses Trios befriedigte die Frontfrau jedoch genauso wenig wie die Aussicht auf leicht verdientes Geld. Sie wollte tiefer gehen, politisch-soziales Bewusstsein dokumentieren und sich weiterentwickeln. Wie sehr sie das wollte, merkte man am Albumtitel, der auf das gesellschaftskritische Buch „The Mis-Education of The Negro“ von Carter Godwin Woodson anspielt. Die Musik basierte darüber hinaus nicht mehr allein auf HipHop-Beats und Samples aus alten Hits. Hill hatte alles selbst geschrieben und produziert und aus Verweisen auf ihre karibische Herkunft, klassischem R&B und etwas Rock einen eigenen Hybriden geschaffen, der bestens zu einer neuen Aufbruchstimmung im Soul passte.
Jetzt, da vierzehn Jahre seit dieser Großtat vergangen sind, sieht es so aus, als wolle Hill endlich die so lange erhoffte Anschlussverbindung schaffen. Das neue Album der Sängerin sei in der Mache, so heißt es. Einen Vorgeschmack könnte es beim Konzert geben. Wer sich noch an den fantastischen Auftritt in der Arena vor Urzeiten erinnert, wird die Neuauflage kaum erwarten können.

Text: Thomas Weiland

Foto: Johnny Louis/wenn.com

Lauryn Hill, Tempodrom, Do 26.1., 20 Uhr, VVK: 42 Euro

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