Konzerte & Party

dOP-Record Release Party im Watergate

dOP

Die Musik verstummt und Jonathan Illel steht inmitten einer erwartungsvollen Menge im Berliner Club Renate. Es ist der Silvestermorgen 2009 und Illel, Sänger der französischen Band dOP, macht aus einer Technikpanne eine boulevard-mäßige Sensation: Gemächlich beginnt der kräftig gebaute Kerl sich auszuziehen, singt dabei ein Solo und steht dann plötzlich splitternackt vor der johlenden Menge. Inzwischen sind fast zwei Jahre vergangen und dOP sind, was ihre Live-Shows angeht, keinen Deut ruhiger geworden. Ganz im Gegenteil, seit ihrem Karrierebeginn im Jahr 2007 haben die drei so ziem­lich jede angesagte Club-Bühne dieses Planeten bespielt. Ihr Markenzeichen ist dabei ganz bewusst der Exzess: Auf der Bühne trinken sie flaschen­weise Wodka, rauchen Kette und haben beeindruckende Augenringe. Dabei gehen dOP keineswegs unüberlegt vor. Sie sind Entertainer, deren scheinbare Unkonventionalität sie zur Projektionsfläche für die Träume ihrer Fans macht. Clement Zemstov, Damien Vandesande und Jonathan „JAW“ Illel füllen jene Lücke aus, die mit dem abgedroschenen Dreiklang Sex Drugs and Rock & Roll am besten umschrieben ist.
Trotz allem ist die Musik des Trios keineswegs tumb oder funktional auf den Club zugeschnitten. Schließlich haben alle eine klassische Jazzmusikerausbildung absolviert. Erst über Umwege kamen sie zur elektronischen Musik, Zemstov beispielsweise spielte drei Jahre lang Fußball beim FC Saint Germain Paris, bevor er sich voll und ganz dOP widmete. Deep, organic & from Paris – so umschreiben sie selbst ihren Sound, der sich wie eine Mischung aus meditativem Blues-House und holpriger Polka anhört. Der Klang ist druckvoll, denn Trompete, Cuнca oder Bass befinden sich bei dOP nicht in digitalen Sample-Archiven sondern in ihrem Pariser Studio, das sie sich mit der House-Band Nфze teilen. Ihren Feinschliff erhalten die Stücke durch JAWs Stimme, die er wie einen dünnen Faden als Falsett darüber legt, nur um im nächsten Moment plötzlich loszurappen. Manch einer vermutete, dOP würden nicht lange auf der Überholspur überleben und sich im Scheinwerferlicht der Clubs ziemlich schnell selbst verbrennen. Doch mit ihrem lang erwarteten Debüt-Album „Greatest Hits“ liefern sie nun den Gegenbeweis. Die 13 Stücke wurden vom Macedonian Radio Symphonic Orchestra eingespielt, vom französischen Komponisten Emmanuel d‘Orlando arrangiert und versprühen einen äußerst warmen Charakter. Es scheint, als würden sich dOP derzeit gerade erfolgreich neu erfinden.

Text: Lucas Negroni

dOP Record Release Party + Wareika + DJs, Watergate, Fr 1.10., 24 Uhr

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