Konzerte & Party

Down by the River 2015

Razor Cunts

Am Fluss findet es zwar seit drei Jahren schon nicht mehr statt, aber das von einem Neil-Young-Song inspirierte Festival Down by the River hat sich trotz des Standortwechsels seinen neohippiesken Charme bewahrt. Eigentlich ist das sympathische Singer/Songwriter-Festival mit seinem Umzug in den verwilderten Märchengarten des About Blank erst so richtig bei sich angekommen. Darum könnte Ran Huber, der mit der Programmreihe „Am Start“ seit über 20 Jahren unermüdlich die Berliner Musik-Szene fördert und zusammen mit Fourtrack on Stage und Mohair Sam die siebte Ausgabe von Down by the River veranstaltet, an diesem Ort auch gar nicht glücklicher sein. „Das Ambiente spielt für unser Programm eine wichtige Rolle, eigentlich sind wir ja keine Fans von Festivals. Wir suchen lieber die Nähe zum Publikum. Diese Intimität macht den besonderen Reiz aus.“
Man kann Down by the River gewissermaßen als freundlichere Gegenveranstaltung zu einem teuren Kommerzzirkus wie Lollapalooza verstehen, obwohl Huber gar nicht den Anspruch hat, sich mit Großveranstaltungen dieser Art zu messen. „Down by the River funktioniert anders als die großen Festivals. Wir brauchen keine Headliner.“ Stattdessen geht es ihm darum, dass sich seine Besucher ihre Neugier bewahren. Zu entdecken gibt es auch in diesem Jahr einiges. Neben den Lokalmatadoren von Erfolg und der Riot-Grrrl-Band Doctorella ist der Folk in all seinen Schattierungen natürlich wieder ein Programm-Schwerpunkt. Der amerikanische Old-Timey-Musiker Frank Farfield spielt auf Geige, Banjo und Gitarre traditionellen Appalachian Folk, der Antifolk-Erfinder Lach gibt sich aus dem schottischen Edinburgh die Ehre und die kanadische Indie-Chanteuse Julie Dorion macht auf ihrer aktuellen Europa-Tour ebenfalls beim Down by the River halt. Einen schönen Kontrast stellt die Schweizer Band Orchestre Tout Puissant Marcel Duchamp dar, die traditionelle afrikanische Musik, Postpunk und Free Jazz zu einem eigenwillig beschwingten Global Pop verbindet. Vom Punk und No Wave kommt dagegen das Berliner Duo Razor Cunts (Foto). Das ist das Schöne bei solch radikal subjektiv kuratierten Festivals: An Abwechslung mangelt es nicht.

Text: Andreas Busche

Warm-Up-Show, Berghain Kantine, Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, Fr 3.7., 20 Uhr, VVK: 10 Euro zzgl. Gebühr, Line-up: The Burning Hell, Dropout Patrol, More Eats

Down by the River, About Blank, Markgrafendamm 24c, Friedrichshain, Sa 4.7., ?ab 14 Uhr, VVK: 15 Euro zzgl. Gebühr  

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