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Dredg im Huxleys

DredgZurzeit spricht alle Welt von der Krise. Ein Thema, mit dem Dredg auf gewisse Weise „durch“ sind; ist es doch rund ein Jahr her, als den Prog-Rockern plötzlich die Kündigung ihres Majorvertrags ins Haus flatterte. Just, als die Kalifornier über den komplexen Arrangements ihres neuen Albums „The Pariah, The Parrot And The Delusion“ brüteten, zudem zu einer Zeit, wo es ganz danach aussah, als stehe die Band endlich vor dem Aufstieg in die nächst­höhere Liga, neben Artverwandten wie Tool oder Deftones. Seither haben Dredg wieder mehr Bürokratisches zu tun: ihr eigenes Label zu führen etwa. Einen Vorteil hat es. Der von Hardcore-Fans formulierte Vorwurf, Dredg hätten sich als Zöglinge der Major-Indus­trie allzu poppig entwickelt, dürfte erst mal verstummen.

DredgZumal ihre ausgemachte Pop-Liebe schon immer deutlich zu hören war zwischen markigen Riffs und Drum-Grooves. Folglich lebt Sänger Gavin Hayes auch auf dem vierten Dredg-Album sein Faible für himmelweite Melodien und große Gefühle aus. Für eine „Indie“-Produktion sind die elaborierten Tracks beachtlich opulent: mit Streicherkaskaden, Percussion, Kinderchören, Piano; für einige grabestiefe Gitarren bauten die Perfektionisten ihre Aufnahmegeräte schließlich in einem Tunnel vor der Haustür bei San Francisco auf. Bei allem Schönklang sind Dredg doch fraglos Prog-Rocker. Das neue Werk ist genregemäß ein Konzeptalbum, angeregt durch Salman Rushdies religionskritisches Essay „Letter To The 6 Billionth Person„. Haynes versetzt sich dafür wahlweise in die Haut eines Selbstmordattentäters oder eines Grüblers, der sich die genaueren Bedingungen des ewigen Lebens ausmalt. In den Pop-Charts findet man derart Nachdenkliches für gewöhnlich nicht. Selbst wenn die Zeilen von einem Sänger stammen, der klingt wie ein Engel.

Text: Ulrike Rechel
Fotos: Universal Music


Dredg im Huxleys
, Di 9.6., 20 Uhr, VVK: 20 Ђ
Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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