Konzerte & Party

Drei Mal Kakkmaddafakka in Berlin

Keine zwei Stunden nach dem Festzelt-Gespräch stehen Kakkmaddafakka ein paar Straßen weiter auf der Bühne. Sie spielen im Keller des Cafй Jaeger, und eben noch hat sich der Chor mit ausgiebigen Dehnübungen für den Gig aufgewärmt. Es ist erst sieben Uhr abends, aber man kommt sich schon nach ein paar Takten so vor, als ­wäre die Nacht schon sehr weit fortgeschritten, so schnell haben Kakkmaddafakka ihr ­Publikum im Griff. Sie erinnern an eine hochtalentierte Schülerband, die sich mit jugendlicher Unverschämtheit die Essenz von Funk und Disco einverleibt hat. Das hier ist ihre Party, und Erlend Шye steht ­neben dem Mischpult und lächelt zufrieden. Mit seinen Kings of Convenience hat er ­Bergen auf die Poplandkarte gebracht, nun steht die nächste Generation im Rampenlicht.
Auf dem By:Larm-Festival sind Kakkmaddafakka  jedoch alles andere als eine singuläre Erscheinung. In sämtlichen Clubs der Stadt lösen sich im Stundentakt junge Bands ab und beweisen, dass das Norwegen weit mehr zu bieten hat als Black Metal oder Denim-Rock Marke Turbonegro. Von Hardcore-Punk über psychedelischen Folk und Afro-Karibik-Pop bis hin zur kaleidoskop­artigen Krach-Orgie sind auf Oslos Bühnen an diesem Wochenende alle erdenklichen Genres und Subgenres der zeitgenössischen Popmusik vertreten. Dabei überrascht zum einem, mit welcher Selbstverständlichkeit und mit welchem Können die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse eingearbeitet werden, und zum anderen, wie niedrig der Altersdurchschnitt der Musiker ist.
KakkmaddafakkaIm Traditionsclub John Dee zum Beispiel wird die elfenhafte Eline Thorpe für ihre atmosphärischen Pianoballaden bejubelt. Obwohl die junge Dame aus dem hohen Norden Norwegens erst 17 ist, macht sie einen erstaunlich selbstsicheren Eindruck, und dazu hat sie allen Grund, denn ihre Stimme klingt wie die einer ausgereiften Soul-Sängerin. Im Cafй Fisk & Vilt entfacht der 18-jährige Mathias Stubш nur eine halbe Stunde später in Begleitung eines Jazztrompeters und eines Perkussionisten ein unglaublich mitreißendes Cosmic-Disco-Inferno, und obwohl er noch über keinen nennenswerten Bartwuchs verfügt, hat dieser hagere Mozart der Balearic Beats schon ein paar Jährchen als Produzent auf dem Buckel. Nur ein paar Schritte weiter im Club Internasjonalen haben drei kaum volljährige Blondinen offensichtlich ihre Model-Karrieren sausen lassen, um mit ihrer Band Death Crush eine Fashionshow-taugliche Kombination aus ungestümem Black-Metal-Blast und dem Sound der frühen Sonic Youth zu Gehör zu bringen.    
Nach einem Wochenende in Oslo bleibt der Eindruck, einen flüchtigen Blick in die Zukunft der Popmusik geworfen zu haben. Selbst für den Nordic Music Prize, einer Art skandinavischem Echo, der in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wird, sind nicht die kommerziell erfolgreichsten, sondern die musikalisch ambitioniertesten Produktionen nominiert. Für das ungewöhnliche Ausmaß an Spielfreude und Spontaneität, das beim By:Larm-Festival zu spüren ist, hat Kakkmaddafakka-Frontmann Alex Vindenes eine ganz einfache Erklärung: „Das Leben ist doch dazu da, dass man tolle Sachen macht. Wann immer wir die Möglichkeit haben, etwas Neues und Interessantes auszuprobieren, tun wir es auch. Wir haben uns vorgenommen, jede Sekunde zu nutzen, die wir haben.“

Text: Heiko Zwirner

Kakkmaddafakka

Lindenpark Potsdam, Do 14.4., 21 Uhr

Magnet Club, Fr 15.5., 22 Uhr, mit Razika und Pow Pow im Rahmen von Introducing – A Norwegian Special

Levee Club, Sa 16.4., 23 Uhr

VERLOSUNG
5 x 2 TICKETS für das Konzert in Potsdam
Mail an [email protected],
Kennwort: Kakkmaddafakka
Einsendeschluss: 14.4., 13 Uhr

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