Konzerte & Party

Drei Mal Kakkmaddafakka in Berlin

Kakkmaddafakka

Kommt ein Tourist nach Bergen. Er fragt einen kleinen Jungen auf der Straße: „Sag mal, Kleiner, hört es hier eigentlich nie auf zu regnen?“ Antwortet der Junge: „Keine Ahnung, ich bin doch erst acht.“
In diesem Witz steckt eine unangenehme Wahrheit, denn nirgendwo sonst in Europa regnet es so oft und so ausdauernd wie in der zweitgrößten Stadt Norwegens. Jedes Jahr werden dort an die 250 Regentage gezählt. „Irgendwann in den 80ern soll es bei uns einmal 94 Tage lang ohne Unterbrechung geschüttet haben“, sagt Axel Vindenes. „Das müsste Weltrekord sein.“
Axel sitzt auf einer Bierbank im großflächigen Backstage-Bereich eines Festzelts im Zentrum von Oslo. Auf der Hauptbühne jenseits der Absperrung läuft gerade der Soundcheck für einen der Acts des Abends; seine Kumpels aus Bergen stehen derweil an der Essensausgabe und lösen ihre Verzehrbons ein. Über die ganze Stadt verteilt findet gerade das alljährliche By:Larm-Festival statt, die wichtigste Plattform für junge Bands aus Skandinavien, und das ist auch der Grund, warum Axel heute hier ist. Er singt und spielt Gitarre bei einer lustigen Truppe mit dem seltsamen Namen Kakkmaddafakka. „Ich gebe zu, dass es ein etwas beknackter Name ist“, erklärt Alex und grinst, „aber wenn Du ihn einmal gehört hast, vergisst Du ihn nie wieder.“ KakkmaddafakkaAllmählich lässt sich der Rest der Formation mit vollgeladenen Tellern um ihn herum nieder. Es müssen wohl acht Leute sein, die alle zwischen 20 und 25 Jahre alt sind und eine Stimmung verbreiten wie eine Schulklasse auf Abschlussfahrt. Die fünfköpfige Kernbesetzung der Band wird bei Konzerten von einem Chor ergänzt, der sich in identische Trimm-Dich-Outfits hüllt und heitere Choreografien aufführt, denn trotz des anhaltend miesen Wetters in ihrer Heimatstadt klingen die Songs von Kakkmaddafakka ungemein fröhlich. Sie spielen in einer Welt, deren größtes Problem darin besteht, dass man sich vielleicht ein bisschen zu gut mit der Freundin seines besten Freundes versteht. Tja, solche Sorgen möchte man haben. „Wir haben das Glück, eine Gruppe von Freunden zu sein, die zufällig ihre Ins­trumente beherrschen“, sagt Alex. „Und dabei haben wir eine Menge Spaß.“ Überhaupt sei Bergen eine großartige Umgebung zum Musikmachen, weil jeder jeden kenne und keiner das Bedürfnis habe, sich abzugrenzen, ganz gleich, auf welche Musik er stehe. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit scheint dort in der Tat so stark zu sein, dass sich im Umfeld der Band eine Geheimsprache namens „Ballabang“ entwickelt hat, deren Zweck es ist, bestimmte Begleiterscheinungen des Partylebens mit Codewörtern zu chiffrieren, die für Außenstehende nicht nachvollziehbar sind. Kakkmaddafakka heißt in dieser Sprache so viel wie „Partylöwe“, und der Wortschatz wächst ständig. „Selbst meine Mutter spricht inzwischen Ballabang“, sagt Alex.
Auch Bergens bekanntester Musiker konnte sich dem Charme der Partylöwen nicht entziehen. Nach seiner Heimkehr aus Berlin hat Erlend Шye sich mit den Jungs von Kakkmaddafakka angefreundet und ihnen dabei geholfen, ihre erste richtige Platte aufzunehmen. Sie ist auf demselben Label erschienen wie die beiden Alben von Шyes deutsch-norwegischer Band Whitest Boy Alive und sie klingt genauso direkt und unproduziert. Auch Kakkmaddafakka spielen Tanzmusik mit den Mitteln einer traditionellen Rockband – mit dem Unterschied, dass sie dabei deutlich ausgelassener zu Werke gehen als ihre etwas reiferen Labelkollegen.

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