Konzerte & Party

Drei Tage lang Berlin Beat Explosion

Berlin Beat Explosion

Mr. Blowfish bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Vor etwa zehn Jahren war er dann aber doch empört. Jahrelang bemühte sich der DJ und Szeneaktivist in liebevoller Kleinstarbeit um die Förderung der Mod-Kultur in Berlin, und was musste er lesen? Dass Fans dieser Richtung jährlich ausgerechnet in Linz am Rhein zusammenkommen. Treffen dieser Art kannte er aus dem spanischen Gijуn, dem italienischen Lavarone und aus dem englischen Brighton. „In Berlin aber, wo es anerkanntermaßen viele Freunde dieser Musik gibt, tat sich überhaupt nichts. Das musste sich ändern“, fand Blowfish, der eigentlich Wolfgang Stahl heißt.
Stahl ist Überzeugungstäter. Er erinnert sich noch an Fernsehabende mit der Mutter in frühester Jugend. Auf dem Programm stand der „Beat-Club“ mit der heißen Uschi Nerke. Später begann er zu rebellieren und hörte Punk. Im Rahmen einer Retro-Bewegung wurde Blowfish in den Achtzigern dann aber endgültig zum Sixties-Jünger. Er verschmähte Depeche Mode und entdeckte Bands aus dem Garagen-Untergrund. Platten von Cheep­skates, Yard Trauma, The Chesterfield Kings oder Lyres spielte er als DJ auf Radio 100, MDR Sputnik und in der „Screwy Bar“. Seit 2001 veranstaltet er den Shotgun-Club, der seitdem mit Erfolg verschiedene Nachtlokalitäten von Astra bis Trompete durchlaufen hat.
DJ FontanaKönigsdisziplin der Szene ist jedoch der Weekender, in diesem Fall die Berlin Beat Explosion, für die Stahl im Gegensatz zu früher verschiedene Örtlichkeiten ausgesucht hat. „Erfahrungsgemäß finden es gerade Besucher von außerhalb besser, wenn sie nicht immer nur einen Laden zu Gesicht bekommen. Sie wollen auch etwas von der Stadt sehen“, weiß er. Eine der Hauptattraktionen im Liveprogramm ist der Auftritt von DC Fontana (links) im Festsaal Kreuzberg. Die Band aus London bringt vieles von dem unter einen Hut, was Mods hören wollen: Orgel-Mania, Gebläse, Soul-Gesang, psychedelische Traumtänze und romantische Zwischentöne, dazu typische Einflüsse aus Sixties-Film-Soundtracks. Nach den Konzerten der Bands legen DJs bis in den frühen Morgen ausschließlich 7″-Singles aus der goldenen Ära auf. Das ist ein Spektakel für sich. Am Samstag gibt es zudem eine Bootsfahrt auf der Spree. Diese sogenannten „All-Dayer“ sind besonders bei den Nerds sehr beliebt. Sie vertiefen sich dann gerne in Fachdiskussionen und tauschen oder verkaufen ihre Platten.
Stahl ist zufrieden über die Resonanz auf sein Mod-Wochenende. Die Leute reisen aus Griechenland, Italien, Schweden und Frankreich an. Er weiß, dass diese Subkultur nicht totzukriegen ist. Die Wiederentdeckung des Garagenrock und des Sixties-Soul im vergangenen Jahrzehnt habe das Interesse am Mod-Lifestyle noch einmal befeuert. „Es gibt Menschen, die eine Sehnsucht nach dem analogen Leben verspüren. Für sie ist so ein Weekender ein Fest.“

Text: Thomas Weiland

Berlin Beat Explosion mit DC Fontana, Towerbrown u.a.
Privatclub, Do 15.9., 22 Uhr, AK: 8 Euro; Festsaal Kreuzberg, Fr 16.9., 22 Uhr, AK: 18 Euro; Bassy, Sa 17.9., 22 Uhr, AK: 15 Euro

Boatparty mit The Blow Ups, Anlegestelle Schillingbrücke, Sa 17.9., 15 Uhr, Ticket: 15 Euro, Reservierung unter www.beatexplosion.de

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