Kommentar

„Drogenverdacht“ von Stefan Hochgesand

Ich möchte Ihnen eine kleine Geschichte erzählen, die schrecklich und wahr ist: Wenn mein Freund I. vor einem Café oder einem Club wartet (zum Beispiel auf mich), wird er regelmäßig gebe­ten bis bedrängt, da nicht so rumzulungern. Er hat Angst, zu früh irgendwo anzukommen, weil er weiß, dass sein Warten sozial unerwünscht ist.

Stefan Hochgesand

Manchmal zieht er sich einen Hoodie über, damit Leute nicht von allen Seiten sofort sehen, dass er keine weiße Haut hat. Die nette Tante vom Prenzlauer-Berg-Café sagt dann: „Sie wissen ja, die Leute … bleiben Sie bitte hier nicht stehen vor meiner Tür … die denken, Sie sind Drogendealer … und das ruiniert mir den Laden.“ Mir ist sowas noch nie passiert. Weil ich weiß bin. Ich könnte kotzen. Berlin, tolerant, weltoffen? Blablabla. Blubberblubber.
Wir haben ein Rassismusproblem. Bitte beim Hören der grandiosen neuen Platte von Kendrick Lamar nicht vergessen, dass das nicht bloß in den USA so ist, sondern auf unseren eigenen Fußmatten. Trump verfluchen wir; die nette Tante, die meinen Freund I. wegen seiner Hautfarbe wegjagt, weil sie Angst hat, rassistische Kundschaft zu verlieren – für die hat man Verständnis. What the fuck?!
Noch mal zu den Drogen: 25.000  Kiffer suchte eine Forschungsinitiative kürzlich noch, um Cannabis-Konsum genauer zu verstehen. Daraus wird wohl nichts, aber der Senat plant eine Party-Drogen-Studie. Mein Freund I. kann bei beiden Projekten nicht teilnehmen. Er hat noch niemals Drogen genommen.

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