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Du bist Berlin: Joy Denalane – Die Gefühlsstarke

Joy_Denalane„Mary wants to be a superwoman.“ Als Joy Denalane das Agenturbüro betritt, singt sie mit ihrem typischen, samtigem, rauen Timbre einen Song von Stevie Wonder, einem ihrer Vorbilder. Ihre Haare, lockig, gigantisch, wippen im Takt ihres Schrittes. Sie strahlt. Vor wenigen Wochen wurde das Liebescomeback mit Max Herre bekannt. Gerade hat sie ihre neue Platte veröffentlicht. Es läuft gut für die 37-Jährige.

Joy Denalane ist in Berlin-Schöneberg geboren, wuchs in Kreuzberg am Gleisdreieck auf. Ihre Mutter, eine Deutsche, und der Vater, Südafrikaner, lernten sich beim Studium in Heidelberg kennen. Sie  ist das dritte von insgesamt sechs Kindern. Mit 16 zog sie von zu Hause aus und begann, sich für HipHop und R&B zu interessieren. Sie schwänzte die Schule, sollte erst mit 22 ihr Abi machen. Statt zu lernen ging sie aus, tanzte zur Musik von Salt’n’Pepa und Mary J. Blige. Afrodeutsche begannen damals, sich als gesellschaftliche Gruppe wahrzunehmen. Joy Denalane fand ihre Bestimmung in schwarzer Musik. Ihr damaliger Freund erkannte das Gesangstalent der Autodidaktin und schickte sie zum Vorsingen zu verschiedenen Produzenten. Sie bekam einen ersten Plattenvertrag als Solokünstlerin, doch statt zur Soul-Diva wollten die Produzenten sie zum Popsternchen machen.

Mit 25 kam es schließlich zu diesem Zusammentreffen, dass ihr musikalisches und privates Leben verändern sollte. Max Herre von der Band Freundeskreis bat sie zum Duett. „Mit Dir“ wurde 1999 zum Sommerhit und das Duo Herre-Denalane ein Paar. Wegen Max zog Denalane eine Zeit lang von Berlin nach Stuttgart. Die Stadt sei etwas zu konservativ und kleinstädtisch, sagt sie heute, mit einem „potthässlichen Zentrum“. Mit ihrer florierenden HipHop-Szene allerdings war Stuttgart genau der richtige Ort, um R&B zu machen. Sie produzierte ihr erstes Album, ging auf Tour mit den FK Allstars. Mit Afrob, Gentleman, Sekou und all den anderen fand sich dort endlich jene musikalische Vielfalt, die sie gesucht hatte.

„Queen of German Soul“ wurde sie von MTV damals getauft. Weil da endlich eine Sängerin war, die wie eine Soul-Diva aussah und auch die richtige Stimme hatte. Sie wurde verglichen mit Erykah Badu oder Lauryn Hill. Zwar landeten Denalanes zwei Alben in höheren Charts-Positionen, ihre Single-Auskopplungen konnten jedoch an den Erfolg von „Mit Dir“ nicht anknüpfen. „Es ist schwierig, Soul auf Deutsch zu singen“, sagt Joy. Weil es in Deutschland keine R&B-Tradition gebe. Ihre Inspiration und Hilfe ist ihr Mann Max: „Einer der besten deutschen Texter.“ Die Touren und Alben des Musikerpaares werden wegen der Kinder Jamal, 10, und Isaiha, 7, aufeinander abgestimmt. Ich bin zuerst Mutter, dann Musikerin, sagt die Sängerin gern. Wie sie diesen Spagat schafft? „Max wird das nie gefragt. Dabei machen wir 50/50. Ich bin nicht allein und war es übrigens auch nie“, sagt sie und kommt auf die Trennung zu sprechen, die im Frühjahr 2007 ihr Leben durcheinander brachte.

Im siebenten Jahr ihrer Ehe scheiterten Denalane und Herre daran, dass sie ihre Beziehung nicht mehr wertschätzten, „ihr Glück nicht mehr sahen“, wie es jetzt nach der Versöhnung heißt. Es war eine Vernunfttrennung. Beruflich und familiär blieben sie weiterhin verbunden, teilten sich das Sorgerecht. „Ich entdeckte Seiten an mir, die ich nicht kannte“, erinnert sich Joy. An einem lauen Sommerabend im Jahr 2009 entschied sie sich, ein Semester an der Freien Universität zu studieren. Um einmal aus ihrer Welt auszubrechen. Die Bedingung des Managements: Nur ein Semester, dann wird das Album fertig produziert.

Nun, zwei Jahre später, ist „Maureen“, ihr drittes Studioalbum fertig. Es ist benannt nach Joy Denalanes zweiten Vornamen, der auch der Name der südafrikanischen Jugendliebe ihres Vaters ist. Denalanes Mutter benannte ihre Tochter nach dieser Maureen, wohlwissend, dass sie, wie die Heimat ihres Mannes, immer ein Teil von ihm bleiben wird. „Ein genialer Schachzug um den Mann, den sie liebte, noch mehr an sich zu binden.“ Die Facetten von Liebesbeziehungen waren oft Thema in Denalanes Liedern, diesmal schöpfte sie aus ihrem eigenen Leben. Emotionen aus vier Jahren Trennung finden sich auf den Texten der Platte. „Es wird nie wieder, wie es war. Doch ich weiß, dass es wieder wird“, haucht sie dort.

Text: Antje Binder

www.joydenalane.com

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