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Duffy: „Endlessly“

Duffy: EndlesslySie war angetreten, um nicht weniger als die Dusty Springfield des Indie-Pop zu werden. Das millionenfach verkaufte Album „Rockferry“ triefte nur so vor herzergreifendem Teenager-Blues und dem großen Gefühlspop der Sechzigerjahre, glaubhaft in die Gegenwart transportiert.
Zwei Jahre später scheint das nun vergessen, und Duffy, grad Mitte zwanzig, will Spaß, Spaß und noch mal Spaß. „Well Well Well“, quietscht die Barbie und wickelt eine Bande italienischer Gigolos um die Finger. Ihre Sexyness ist von schamhafter Koketterie zum Big Sellingpoint gewechselt, denn das walisische Castingshow-Talent ist vom stilaffinen Königreich in die USA gegangen, direkt in die Arme von Songwriter „It Never Rains In California“ Albert Hammond senior. Der heute 66-Jährige versteht natürlich sein Handwerk. „Breath Away“ ist eine ergreifende, mit dickem Strich gemalte Ballade, ebenso „Don’t Forsake Me“ – Chöre, Streicher, das großen Schmachten.
Duffys junge Stimme hat viel Gefühlstiefe. Bei „Endlessly“ wird aber statt auf Soul auf Disco geschielt, statt auf organischen Sound auf kalte Studiotechnik gesetzt, die doch eigentlich keiner mehr will. Selbst die angeheuerten The Roots bürsten die Musik durch Effektspielereien Richtung Austauschbarkeit.
Hieß 2008 die Herausforderung noch Amy Winehouse, so will es Duffy heute mit Lady Gaga und Kylie Minogue aufnehmen. Für erstere fehlt ihr der Zynismus, für letztere der Glamour. Gegen die Vereinnahmung des Marktes schützt allein Persönlichkeit und der Wille zum Stil; die jüngere, starke Adele lehrt Duffy darin allein schon mit ihrer neuen Single das Fürchten. Erfolg ist ein ganz schlechter Ratgeber.

Text: Christine Heise

tip-Bewertung: Zwiespältig

Duffy, Endlessly (Universal)

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