Konzerte & Party

„The Early Bird“-Partys im What?! Club

What?! Club

Ausgehen in Berlin kann echt anstrengend sein: Vor zwei oder drei Uhr braucht man nämlich auf keiner Party aufzutauchen. Und was macht man bis dahin, sagen wir, an einem Freitag, an dem man den ganzen Tag gearbeitet hat? Vorschlafen natürlich. Wecker auf 0.30 Uhr stellen, aufstehen, duschen, schick machen und los. Der Haken: Das fühlt sich richtig ätzend an. Also dreht man sich um und schläft weiter. 
Matze Hielscher, einer der Betreiber vom What?! Club, kennt das: „Viele Partys verschläft man regelrecht. Das geht den meisten in meinem Freundeskreis mittlerweile so.“ Ein bisschen ist das natürlich auch eine Altersfrage. Matze Hielscher nickt, er ist 32, wie viele seiner Freunde auch. „Wir sind aber deshalb keine Foodies, die sich nur noch über Kaffee, Wein und Vorspeisen unterhalten“, sagt er. „Wir wollen ausgehen und tanzen und am nächsten Tag verrauchte Klamotten riechen. Aber wir wollen trotzdem noch in eine Ausstellung gehen, Sport machen oder arbeiten.“ Der Tag nach dem Feiern, der ist mit fortschreitendem Alter natürlich auch immer schwieriger zu bewältigen. Ganz klar, je früher man schläft und je weniger man Promille hat, desto besser. Für Matze Hielscher und seinen Kollegen Pierre Türkowsky lagen die Fakten auf der Hand: Ein neues Konzept musste her, eine Party, die früh anfängt, früh wieder aufhört und trotzdem Spaß macht. The Early Bird, eine After-Dinner-Party, sollte die in die Jahre gekommenen Partygänger retten: Beginn um 21 Uhr, Ende um zwei Uhr. So ganz neu ist das natürlich nicht, immer wieder mal hat jemand versucht, eine Tanzfläche in Berlin weit vor Mitternacht vollzukriegen, wie etwa die Initiative für arbeitnehmerkompatible Arbeitszeiten. Bisher ist es bei den Versuchen geblieben. Wer es in Berlin nicht mehr schafft, um zwei Uhr fit und gut gelaunt im Club aufzuschlagen, bleibt zu Hause und sucht sich neue Hobbys. Doch Hielscher und Türkowsky waren von ihrer Idee überzeugt, sie hängten schlichte Flyer an Haustüren in Mitte (siehe links) und posteten das Event auf Facebook, auf dem Foto dazu ein tanzendes Rentnerpärchen. „Love it. Seniors Club“, kommentierte jemand.
Early BirdDementsprechend skeptisch machte man sich dann gegen 22.30 Uhr an einem Freitagabend Mitte April auf den Weg zur ersten Early-Bird-Party. Umso größer die Überraschung: Vor dem Eingang zum What?! war doch tatsächlich eine kleine Schlange. Und unten im Club die Feierei in vollem Gange. Auf der Tanzfläche war Hochbetrieb, geknutscht wurde auch schon, aus den Boxen polterten Fleetwood Mac ihr altbekanntes „Everywhere“. Drei Jungs setzten ihre dunklen Sonnenbrillen auf und rissen die Arme in die Luft. Früh Feiern geht anscheinend auch in Berlin.
Als man sich dann auf den Nachhauseweg machte und es draußen noch stockfinster war, wurde eines klar: Wer bereits um kurz vor Mitternacht ausgelassen im Club feiert, um zwei Uhr nach Hause geht, um sich dann am nächsten Vormittag zum Sport zu verabreden, der ist, ob Foodie oder nicht, alt geworden.

Text: Katharina Wagner

Foto oben: Benjamin Pritzkuleit

Foto unten: Harry Schnitger/tip

The Early Bird, What?!, nächste Party: Do 10.5., 21–2 Uhr, Eintritt: 5 Euro

www.what-club.de

www.mitvergnuegen.com

Mehr über Cookies erfahren