Konzerte & Party

Eels im Tempodrom

Eine Gemütslage, die einem bei Mark Oliver Everett beileibe nicht als Erstes in den Sinn kommt: Humor. Wendet er doch in Eels’ Elf-Studioalben-Њuvre, das seit „Beautiful Freak“ von 1996 zwischen kinderleicht verstörendem Indie-Folk und verknarzter Garage-Bollerei mäandert, beharrlich – manche sagen: ermüdend – derart massive familiäre Unfassbarkeiten hin und her, als habe „E“ mal versehentlich Gott das Auto zugeparkt. Details entnehme der Leser bitte seiner Autobiografie „Things The Grandchildren Should Know“, deren deutsche Ausgabe mit dem bescheuerten Titel „Glückstage in der Hölle“ gestraft ist. Aber den 51-Jährigen aus Virginia auf den Bartbarden-Griesgram zu reduzieren, würde seinem kauzigen Witz nicht gerecht. Man nehme zum Beispiel die ersten Zeilen des derzeit wieder live vertonten Trennungsschmerzes „A Line In The Dirt“ vom 2010er-Album „End Times“: „She locked herself in the bathroom again / So I am pissing in the yard.“ Das überbordend selbstironische „The Look You Give That Guy“-Video vom 2009er-Album „Hombre Lobo“ mit Salman Rushdies Ex Padma Lakshmi. Oder die Küsschen-Albernheiten von Eels letztes Jahr im Tempodrom, als sie in uniformer Adolf-Dassler-Trainingskluft mit staubtrockenem Voodoo-Bluesrock um sich droschen. Schon lustig, das. Beim neuen Album „The Cautionary Tales of Mark Oliver Everett“ ist selbiger nun wieder im sachteren Selbsttherapie-Modus („Mistakes of My Youth“) unterwegs. Neulich, in St. Paul, USA, schlenderte dabei übrigens unverhofft Steve Perry auf die Bühne, dereinst Sänger von Journey („Don’t Stop Believin’“), den man 19 Jahre lang nicht mehr an einem Mikro gesichtet hat. Hinterher erzählte Everett dem Portal Stereogum.com launig, er würde auch gern mal für Jahre einfach abtauchen, vielleicht schon bald. Das ist doch wohl nicht sein Ernst.

Text: Erik Heier

Eels, Tempodrom, Di 24.6., 20 Uhr, VVK: 30–37 Euro zzgl. Gebühr

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