Avantgarde

Ein Abend für Tony Conrad in der Volksbühne

Musikperformances, u.a. von Stephen O’ Malley von Sunn O))), Tyler Hubbys Dokumentarfilm und ein Gespräch erinnern an Tony Conrad

Foto: Susach Archie

Über Jahrzehnte hinweg war Tony Conrad nicht aus New York wegzudenken. Mit unerschöpflichem Tatendrang wirbelte der Künstler, Komponist, Musiker, Schriftsteller und Lehrer ein halbes Jahrhundert durch die Stadt und wurde zum ­Paten und guten Geist der Avantgarde-Szene. Unter dem Eindruck von John Cage und Karlheinz Stockhausen begann er in den frühen 1960er Jahren, die Grenzen zwischen den Künsten einzu­reißen. Er experimentierte, ging immerzu neue Wege und fühlte sich in schäbigen Downtown-Clubs ebenso zuhause wie in großen Konzerthäusern. Conrad arbeitete mit zeitgenössischen Grenzgängern wie John Cale und La Monte Young, aber auch mit Popschamanen und Krachmachern wie Keiji Haino und Jim O’Rourke. Während seine Musik auf Drones und hypnotischer Wiederholung basierte und dadurch Krautrocker – darunter die deutschen Rockpioniere Faust – sowie Techno-DJs beeinflusste, beschäftigte er sich in seiner Videokunst mit Strukturen, Frequenzen und Bildmustern und gilt als Wegbereiter des Strukturellen Films.
Die Volksbühne ehrt den im April 2016 verstorbenen Genius mit einem abendfüllenden Programm. Nach der Vorführung von Tyler Hubbys Doku „Tony Conrad: Completely in the Present“ und einem Gespräch mit dem Regisseur, erfüllen der Einstürzende-Neubauten-Gitarrist Jochen Arbeit und das Amplified Drone Strings Quartet den Raum mit Conrad’schen Drones, in die anschließend Stephen O’ Malley hinübergleiten wird, der mit seiner Band Sunn O))) die Drone-Kunst perfektionierte. Jan St. Werner von Mouse on Mars ­beschließt den Reigen im Roten Salon mit einem DJ-Set.

Volksbühne Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, Fr 1.12., 19.30 Uhr, VVK 24 €

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