Konzerte & Party

Ein Interview mit Aviv Netter

Aviv Netter

Netter dekoriert die Wände mit israelischen Flaggen, spielt Oriental-Sounds, hebräische Schlager, Electropop und die größten Grand-Prix-Hits aller Zeiten. Gerade feierte er sein dreijähriges Jubiläum.

tip Seit wann ist eigentlich Deine Party nicht mehr „queer“?
Aviv Netter?Als wir gestartet sind, hatten wir Meschugge als reine Gay-Night konzipiert. Doch weil wir die einzige jüdische Party in Berlin sind, wollten wir, dass auch Heteros sich angesprochen fühlen. Deshalb schreiben wir seit einem halben Jahr nicht mehr „queer“ auf unsere Flyer.

tip Hättest Du gedacht, dass Meschugge einmal so erfolgreich sein wird?
Aviv Netter Ganz ehrlich, ich habe gar nichts gedacht. Als wir angefangen haben, war das eigentlich ein Experiment: Zu unserem ersten Abend – das war an einem Dienstag – kamen gleich 100 Leute. Das hätte ich damals niemals erwartet. Geschweige denn, dass wir einmal das Dreijährige feiern.

tip Wie bist Du auf die Idee gekommen, eine jüdische Party zu veranstalten?
Aviv Netter Berlin ist ja geprägt von seiner multikulturellen Gesellschaft: Hier gibt es griechische Partys, türkische Partys… Als ich vor fünf Jahren hierher gezogen bin und all die berühmten Bauwerke sah – wie das Brandenburger Tor, das ich nur aus den Geschichtsbüchern kannte, dachte ich mir: Was geschah hier wohl vor 70 Jahren? Ich hatte immer dieses Gefühl von Vakuum. Und dass ich etwas vermisse. Irgendwann wurde mir klar, dass meine Kultur, mein jüdischer Background einen Ort in dieser Stadt braucht.

Meshuggetip Hattest Du keine Angst vor antisemitischen Reaktionen?
Aviv Netter Ich hatte nur einmal Angst, als vor gut einem Jahr dieser große Artikel im tip erschienen ist. Ich hatte befürchtet, dass wir damit … (überlegt), auf Hebräisch sagen wir: die Augen des Teufels öffnen. Aber nichts ist passiert.

tip In all der Zeit?
Aviv Netter Nur ein einziges Mal kam ich zum Club und sah eine Schmiererei an der Wand, auf der irgendwas gegen Israel stand. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Aber es war nichts Antisemitisches. Wir holten sofort die Polizei. Und zehn Minuten später war die Schmiererei weg.

tip Gab es außerhalb Berlins schon Meschugge-Partys?
Aviv Netter Ja, im April fanden zwei in Heidelberg statt – im Rahmen eines jüdisch-israelischen Festivals. Das war sehr lustig, meine Party in einem komplett anderen Kontext zu erleben. Und am 23. November sind wir mit Meschugge in München.

tip Wie kam das?
Aviv Netter Die Israelische Botschaft hat mich gefragt, ob wir zusammenarbeiten wollen. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Die Party findet im Rahmen des Israel-Tages statt. Vorher wusste ich gar nicht, dass es so was überhaupt gibt.

tip Betrachtest Du Dich als Kultur­bot­schafter?
Aviv Netter Ich verstehe mich schon als Sprachrohr für die israelische Kultur. Trotzdem betrachte ich mich nicht als Soldat für israelische Belange. Meschugge wird nie ein Politikum sein.

tip Wie stehst Du zum Nahost-Konflikt?
Aviv Netter Sobald man etwas vom Nahen Osten hört, dreht sich alles immer nur um Krieg, Waffen und Raketen. Mir geht es darum, die andere Seite Israels zu zeigen. Dass es auch dort ein normales Leben gibt und kulturelle Vielfalt – vor allem in Tel Aviv. Natürlich habe ich auch meine eigene politische Ansicht. Aber die ist für Meschugge nicht relevant.

Interview: Wolfgang Altmann

Bild Aviv Netter: Harry Schnitger / tip

Bild Meshugge-Party: Jens Berger

Meschugge – The unkosher jewish night, ZMF, Brunnenstraße 10, Mitte, Fr 26.11., 23 Uhr

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