Konzerte & Party

Ein Interview mit Christoph Hagel

Christoph Hagel

tip Sie arbeiten im „Weihnachtsoratorium“ neben anderen Tänzen erneut mit Breakdance, was der Hiphop-Kultur entstammt. Gibt es da eine Affinität?
Christoph Hagel Ich habe durchaus Hiphop gehört. Als ich jünger war, auch viel Elektro.

tip Und bei dem Proben-Prozess führen Sie Regie und haben die musikalische Leitung. Ist das nicht ein enorm hoher Aufwand an Konzentration, erfordert Präsenz in jeder Sekunde, wie bewältigen Sie das?
Christoph Hagel Meiner Meinung nach ist der Gewinn durch eine Personalunion von Musik und Szene größer als der Reibungsverlust, der zwangsläufig durch die Doppelfunktion entsteht.

tip Sie jetten derzeit um den Erdball und inszenieren Stück um Stück. Wie viel Zeit bleibt noch, um selbst in Konzerte oder Opernaufführungen zu gehen?
Christoph Hagel Was habe ich zuletzt gesehen? Keersmaker bei Tanz im August. Als wir in Zürich gespielt haben, hatte ich einen Abend frei und konnte die „Othello“-Premiere sehen. Wenn es mal wieder ruhiger ist, hole ich viel nach: Theater, Tanztheater, Oper, Konzert. Dieses Jahr war wirklich verrückt.

tip Im Vergleich zu Zürich wirkt das Opernpublikum weniger mondän. Man geht auch mit Jeans in die Oper und das fällt nicht weiter auf.
Christoph Hagel Genau. In Montreal letzte Woche war es ähnlich wie in Berlin. Es war ein riesiges Publikum von jungen Leuten. Sagenhaft.

tip Das heißt, Oper darf nichts Elitäres sein. Würden Sie so weit gehen, dass man breitere Zugänge schaffen soll?
Christoph Hagel Das versuchen wir natürlich. Die Produktionskosten der Oper sind aber immens. Oper ist eine feudale Kunstform. Sie ist in der Regel wahnsinnig teuer. Wie Film. Der ist auch teuer, aber der ist dann da.

tip Der ist da, der kann reproziert werden, und damit amortisieren sich die Kosten.
Christoph Hagel Genau, das geht in der Oper nicht.

tip Es gibt Projekte, Opern zu screenen. Es gibt Opern-Abos im Fernsehen…
Christoph Hagel Ja, sozusagen Public Viewing, das wird jetzt überall praktiziert. Aber zur Oper gehört natürlich, dass man wirklich davor sitzt. Zur Oper gehört, dass man dabei ist, dass es echt gemacht wird. Sonst kann ich ja gleich einen tollen Film machen. Die Anstrengungen aller – und der Sänger vor allem  – gehört zu diesem Atomkraftwerk der Gefühle dazu. Den Übertragungen kann ich deshalb relativ wenig abgewinnen. In der Oper gehört es dazu, dass sie von den Sängern live erlitten werden muss.

Interview:
Ronald Klein

Foto: Wolfgang Hilse

Weihnachtsoratorium im Berliner Dom, Am Lustgarten, Mitte, Do 04.12. 2014, 20 Uhr (Premiere) bis Sa 03.01.2015

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