Konzerte & Party

Ein Interview mit Damon Albarn

Damon Albarn

tip Mr. Albarn, entsteht in diesen Räumlichkeiten die Magie?
Damon Albarn Ja, manchmal. An einem guten Tag.

tip Müssen Leute, die hier arbeiten, Ihre Musik eigentlich mögen?
Damon Albarn Ob sie sie mögen müssen? Das ist aber eine ziemlich deutsche Frage! Sagen wir so: Es wäre nicht schlecht, wenn sie sich mit dem, was in diesen Wänden passiert, identifizieren könnten! Manche mögen meine Musik. Einige Mitarbeiter sind musikalischer als andere. Wie beispielsweise meine persönliche Assistentin Charlie. Sie hatte lustigerweise und völlig zufällig denselben Musiklehrer wie ich in der Gesamtschule in Colchester. Wir kannten uns früher nicht, ich bin ja viel älter als sie. Aber wie gesagt: purer Zufall. Es sei denn, sie hat mich gestalkt! Haha!

tip Könnte ja sein, oder?
Damon Albarn Traue nie einem Angestellten! Nein, mal ehrlich: Ich will gar nicht das ganze Büro voll von Leuten haben, die alles verstehen und gut finden, was ich tue. Denn dann bekommst du keine Perspektive auf die Dinge. Jemand, bei dem du dich bemühen musst, um ihm dein Konzept zu erklären, ist hilfreicher und bringt dich weiter. Ich hoffe also – nein, ich weiß – dass ich nicht von kranken Fans umgeben bin. (lacht)

tip Erst waren Sie das Teenager-Idol von Blur und nun sind Sie der von den Kritikern gefeierte Allround-Musiker.
Damon Albarn Das ist ein gutes Gefühl. Es ist doch schön, gemocht zu werden. Aber vielleicht war das ja alles nur ein Unfall.

tip Sie meinen, Sie sind nicht so clever, wie die Leute annehmen?
Damon Albarn (lautes Lachen) Nein! Definitiv nicht! Generell denke ich, dass ich ziemlich scheiße bin. Ich habe bei allem, was ich tue, das Gefühl: Herrje, ich könnte es so viel besser machen! Ich weiß, dass ich besser sein könnte! Und das macht es ziemlich spannend. Denn es bedeutet, dass ich immer nach etwas Besserem strebe.

tip Gilt das auch für Ihre Soloplatte?
Damon Albarn Ich hoffe doch! Ich war in einer Band, ich war ein Cartoon, ich habe mit vielen verschiedenen Leuten in Afrika und sonstwo auf der Welt musiziert. Das hat es mir nicht ganz einfach gemacht, eine Soloplatte aufzunehmen. Also habe ich es ein paar Jahre aufgeschoben. 25 Jahre, um genau zu sein. Nun war es wohl einfach an der Zeit.

tip Und ein Blur-Album kommt momentan für Sie nicht in Betracht?
Damon Albarn Ich finde, es ist meinem Alter eher angemessen, jetzt eine persönliche Platte zu machen. Meine neuen Songs schreien nicht unbedingt nach den Charts. Es ist ganz sicher kein „Song 2“ auf der Platte. Vielleicht kommt noch mal der Punkt, an dem das Einzige, was ich auf dieser Welt noch tun möchte, eine Blur-Platte ist. Aber das würde mich selbst überraschen.

tip „Everyday Robots“ ist offiziell Ihr erstes Soloalbum, aber nun haben Sie doch wieder Musiker wie Brian Eno und Natasha Khan von Bat for Lashes mit dabei. Geht es nicht ohne?
Damon Albarn Es sind ja diesmal nur einige wenige und eher lokale Kollaborateure. Brian Eno ist zum Beispiel mein Nachbar. Ich fand es eine gute Idee, ihn auf „Heavy Seas Of Love“ singen zu lassen, was er eher selten tut. Mit meinem Produzenten Richard Russell war die Zusammenarbeit gut überlegt. Ich wollte nicht beginnen, ohne so etwas wie eine Oberaufsicht dabei zu haben, die mich vor Dummheiten bewahrt. Denn wenn man die ganze Zeit mit sich selbst im Stand-by-Modus ist, kann man schon mal übers Ziel hinausschießen. Es hätte in einem Desaster enden können. Aber es wurde kein Akt der Maßlosigkeit begangen, so hoffe ich jedenfalls.

Foto: WMG

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