Konzerte & Party

Ein Interview mit Dota

Dota

tip Sie haben ja auch Medizin fertig studiert.
Dota Aus meiner Erfahrung praktisch als Ärztin zu arbeiten hat einiges Eingang in Texte gefunden. Wenn ich unendlich viel Zeit zur Verfügung hätte, würde ich gerne noch was ganz Anderes studieren. Literatur, Geschichte – was mit echter Bildung. (lacht) Medizin ist keine Bildung – nur die Ausbildung zu einem sehr komplexen Beruf.

tip „Ich will einen Pass, wo Erdenbewohner drinsteht“ heißt es im „Grenzen“-Lied.
Dota Ich hab das Lied seit Oktober 2014 live gespielt. 2012 hatte ich angefangen es zu schreiben, weil mich das schon sehr lange beschäftigte. Ich dachte auch an die Flüchtlingsproteste am Oranienplatz. Diese Tatsache, dass Staaten das dürfen, zu sagen „du darfst hier nicht rein“ und so in die Schicksale von Menschen eingreifen! Es gibt die Grenzen ja nicht. Also nicht für multinationale Konzerne, nicht für Kapital und nicht für uns mit unserem Pass von hier. Aber für manche Menschen gibt es sie dann eben doch ganz konkret. Das ist aber etwas, das sich sehr wohl verändern lässt. Nennt mich naiv, es ist mir egal!

tip „Rennrad“ hingegen ist super witzig: „Er ist heiß, heiß wie frisch frittiert.“ Und dann diese Vorstellung: Wir ziehen an die Adria und verkaufen gefälschte Markentaschen.
Dota Und wie es dann im Sekundenbruchteil als  Traumwelt wieder einkassiert wird. Aber richtig zynisch bin ich nie. Obwohl ich das bei anderen Leuten gerne höre: Fallhöhe, Ironie, Brechung.

tip In „Diebe“ schaltet der Hauseigentümer die Alarmanlage an, wäre dann aber am liebsten selbst der Dieb.
Dota Es geht um den Wunsch nach Rollentausch. Der Typ hat so viel Angst um das, was er ?hat – egal ob es viel oder wenig ist. Er steht in seinem Hochsicherheitshaus und schaut eigentlich sehnsuchtsvoll nach draußen und stellt sich vor, dass er dann keine Angst mehr hätte, wenn er selbst der Dieb wäre.

tip Hätten Sie lieber keine Angst mehr?
Dota Gibt’s die, die wirklich keine Angst haben? Vor Vielem hab ich keine Angst. Zum Beispiel auf der Bühne zu stehn. (lacht) Oder vor Veränderung.

tip Welche deutschsprachige Musik hören Sie denn gerne?
Dota Die höchste Eisenbahn, Sebastian Krämer, Uta Köbernick, Max Prosa, Gisbert zu ?Knyphausen. Bei vielen mag ich die Art, Deutsch zu singen, nicht. Ich weiß überhaupt nicht, was Xavier Naidoo singt. Aber ich kann mir diese Art der Stimmfärbung und Aussprache nicht anhören. Dieses soulige Deutsch, das sich so verbreitet hat – ich kann damit nichts anfangen. Mir würde das nicht über die Lippen gehen. Das Gegenmodell dazu wäre Rio Reiser. Höre ich super gerne. Die Scherben!

tip Es gibt seit einer Weile wieder dieses Interesse für deutschsprachige Musik.
Dota Hm. Ja. Na gut, eigentlich gibt es gerade ziemlich viel. Auch viel, was sich zwar cool gebärdet, aber eigentlich der pure Schlager ist. Ich nenne jetzt keine Namen. (lacht)

Interview: Stefan Hochgesand

Fotos: Annika Weintahl

Dota, Astra Kulturhaus, Revaler Str. 99, Friedrichshain, ?Fr 15.1., 20 Uhr, VVK: 17 Euro zzgl. Gebühr

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