Konzerte & Party

Ein Interview mit Dota

Dota

tip Wie kriegen Sie den neuen Sound live hin?
Dota
Das ist total spannend. Wir haben viele Over-Dubs gemacht. Für mich ist es einfach, ne? (lacht) Ich spiel Gitarre und singe. Aber die anderen drei wünschen sich dritte und vierte Hände für ihre Instrumente.

tip Die Musik ist elektronischer als zuvor.
Dota
Ja, aber live haben wir es trotzdem geschafft, dass wir (mit Ausnahme von einem einzigen Stück) keine Zuspieler haben. Also keine festgelegte, starre Metronom-Zeit.

tip Bei welchem Stück gibt‘s die Ausnahme?
Dota
Bei „Mantel“ machen wir das live, wie auf dem Album mit einem Sample. Wenn ich selbst auf Konzerte gehe und da arbeiten Bands mit ganz vielen Zuspielern…

tip … bekommt man ein ungutes Gefühl.
Dota Es ist dann nicht so richtig live. Es ist so starr, weil es eben nicht variieren kann. Und es hat nicht dieses Risiko, dass es an einem Abend mal zu schnell ist oder zu langsam. Es ist immer auf den Klick. Ich finde das irgendwie öde und ich will das nicht. Ich will, dass es live auch atmen kann und schwingen und frei sein.

tip Frei sein. Sie haben ein eigenes Label, keinen Druck von einer großen Plattenfirma.
Dota Ja. Ja. Das war eine Bauchentscheidung. Wir hatten ja sehr gute Angebote, schon beim letzten Album. Aber ich wollte das nicht. Ich hatte einfach kein gutes Gefühl dabei.

tip Wie läuft das? Die großen Firmen hören davon, dass Sie gerade was aufnehmen?
Dota Ach, wir machen das jetzt schon ein Weilchen. Die haben uns irgendwie auf dem Schirm. Ich glaube, wenn ich bei einer großen Plattenfirma gewesen wäre, hätte ich von den ersten Alben einiges wahrscheinlich gar nicht rausgebracht. Aber ich finde es gut so: Man merkt eine Entwicklung und es ist bei den älteren Veröffentlichungen absolut nichts dabei, wofür ich mich schämen müsste. Musikalisch sogar richtig spannendes Zeug und textlich… naja…auch. Nee, ich find alles gut. (lacht) Zufällig habe ich mich gestern damit beschäftigt. Es hat sich nämlich ganz praktisch die Frage gestellt, welche Songs wir bei Spotify reintun, bei dem Streaming-Dienst.

tip Sie leben ja davon, dass Leute Alben kaufen. Beim Streaming gibt’s nicht viel, oder?
Dota Genau. Deshalb wollen wir keine ganzen Alben reinstellen. Aber es ist auch blöd, wenn man da gar nicht gefunden wird. Deshalb haben wir uns überlegt, dass wir von den alten Alben jeweils vier oder fünf Stücke reinstellen.

tip Die Ihnen am besten gefallen…
Dota … oder die den Leuten am besten gefallen? Das sind ganz unterschiedliche Songs. Ich nehme einfach die, die mir am besten gefallen. (lacht) Oder uns. Wer die Gassenhauer will, muss zum Konzert kommen.

Dotatip Wo sind eigentlich die Stadtpiraten geblieben? Zumindest im Bandnamen gibt’s die nicht mehr.
Dota Das war eine Entscheidung der Stadtpiraten selber. Irgendwie klang das nach Spielplatz oder Kindertheater. Es ist ja weitgehend die gleiche Band. Wir haben bloß keinen Bassisten mehr, sondern einen Keyboarder, Jonas Hauer, der mit der linken Hand Bass spielt und mit der rechten so allerhand. Das macht auch sehr viel von dem neuen Sound aus. Ich fand das lange komisch, wenn die Band nur meinen Vornamen Dota trägt. Dann hab ich es aber mal im Festivalprogramm gesehen und dachte: Hey, das ist okay als Bandname. So gängig ist er als Vorname ja auch nicht.

tip Deshalb gibt’s die Kleingeldprinzessin auch nicht mehr.
Dota Die Kleingeldprinzessin war eigentlich nur der Titel vom ersten Album. Seit dem zweiten Album stand der Name nicht mehr drauf. Aber ja, die Webseite und das Label heißen noch so.

tip „Keine Gefahr“ heißt das neue Album mit dem Tiger auf dem Cover.
Dota Ich mochte den Albumtitel direkt, weil überall ständig so viel Angst geschürt wird. Ich fand es gut zu sagen: „Keine Gefahr!“ Zugleich schwingt ja mit, dass es Grund gab anzunehmen, es bestünde Gefahr. Somit bleibt es nicht eindimensional. Viele Stücke auf dem Album haben etwas Beängstigendes. Zuerst sollte das Album „Die Flucht nach vorn“ heißen. Man hätte gleich ein politisches Thema benannt. Aber auch innere Flucht. Dann hat es mich aber doch gestört, dass es schon Alben gibt, die so heißen. Fluch das Google-Zeitalters! Vor zehn Jahren hätte man das gar nicht gewusst, sondern einfach gemacht.

tip Um wen geht es eigentlich im „Mantel“-Song? Eine Person redet komische Dinge und tut seltsame Sachen und soll lieber unter den Mantel der anderen kommen.
Dota ?Das Ich und das Du sind ein und dieselbe Person. Ein Persönlichkeitsanteil, der ausbrechen will. Es geht ein bisschen um Schizophrenie. Wobei das vielleicht zu pathologisch klingt.

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