Konzerte & Party

Ein Interview mit Gabriel Adorjan

Gabriel Adorjan

tip Herr Adorjбn, das Deutsche Kammerorchester Berlin wurde im Herbst 1989 im „Geiste der Wiedervereinigung“ gegründet. Was ist der Hintergrund der Entstehung?
Gabriel Adorjan 1989 war ich 14 Jahre alt, lebte in München und hatte vom Deutschen Kammerorchester noch nichts gehört… Aber glücklicherweise hatten einige Berliner Musiker damals, kurz nach dem Mauerfall, den Wunsch, ein Orchester zu gründen, in dem Musiker aus dem Ost- und Westteil der Stadt endlich gemeinsam Musik machen konnten. Inzwischen ist das DKO natürlich wesentlich internationaler geworden (auch ich als gebürtiger Bayer darf jetzt mitwirken), aber dieser gemeinschaftliche Musiziergeist der ersten Stunde ist heute immer noch vorhanden! 

tip Nach welchen Kriterien werden die zur Aufführung gekommenen Werke ausgewählt.
Gabriel Adorjan Da das Deutsche Kammerorchester Berlin ein freies Orchester ist, wird auch die Programmzusammenstellung sehr offen gehandhabt. Es gab Spielzeiten, die unter einem großen Thema standen, einzelne Konzerte, die Schwerpunkte hatten und oft auch Wünsche aus den Reihen der Orchestermusiker. Dadurch entstanden bereits viele interessante Programme mit spannenden und außergewöhnlichen Werken. Diese Offenheit und auch der Mut zu neuen Ideen ist das, was viele unserer Abonnenten – natürlich neben den klassischen Meisterwerken von Mozart, Beethoven, Brahms– so am DKO schätzen.

tip Das DKO bietet nicht nur ein Forum für junge Musiker, sondern verfügt auch über Kooperation mit einer Berliner Schule. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Gabriel Adorjan Ganz wunderbar. Wir haben durch unsere Partnerschule einen guten Kontakt zum jüngeren Publikum, durch unseren festen Probenort im schuleigenen Theatersaal sind wir regelmäßig in der Schule präsent und dadurch offen, für spontane Fragerunden auf dem Schulhof und kurzfristige Probenbesuche.  Viele Schüler kommen nicht nur einmal zu uns in die Probe, sondern haben die Möglichkeit das Orchester kontinuierlich zu begleiten.

tip Zeigen sich die Schülerinnen und Schüler klassischen Werken gegenüber aufgeschlossen?
Gabriel Adorjan Aufgeschlossen ja, auch wenn die Vorkenntnis in vielen Fällen nicht besonders groß ist. Regelmäßige Konzertbesuche mit den Eltern und gemeinsame Hausmusik gehören eher der Vergangenheit an. Umso wichtiger ist es uns, den Schülern eine direkte Begegnung mit uns und der Musik zu ermöglichen. Einen ähnlichen Ansatz hat auch unser neustes Konzertformat, das wir 2013 ins Leben gerufen haben: Klassik im Becken. Diese Reihe, beheimatet im Stattbad, dem ehemaligen Weddinger Schwimmbad, das heute hauptsächlich für Partys und elektronische Musik bekannt ist, präsentiert renommierte Solisten wie Daniel Hope und Avi Avital in völlig anderer Atmosphäre und dadurch natürlich auch einem jüngeren Publikum. Am 30.10. sind wir dort das nächste Mal gemeinsam mit Francesco Tristano (Piano & Electronics) zu Gast.

tip Das Orchester begleitete quasi das Zusammenwachsen des vormals geteilten Berlins. Ist Berlin künstlerisch nunmehr vereint?
Gabriel Adorjan Auf jeden Fall. Jeder lässt natürlich eigene Erfahrungen aus seinem persönlichen und kulturellen Hintergrund mit einfließen, aber eine Ost-West-Trennung lässt sich nicht mehr erkennen.

tip Welches Programm erwartet die Besucher des Festkonzertes?
Gabriel Adorjan Wir sind sehr glücklich, dass Markus Poschner das DKO Berlin als langjähriger Ständiger Gastdirigent begleitet und auch das Jubiläumskonzert leiten wird. Wir eröffnen den Abend mit Beethovens Ouvertüre c-Moll zu Collins Trauerspiel „Coriolan“. Danach freuen wir uns besonders, dem Publikum Alberto Ginasteras Concerto per Corde op. 33 näherzubringen. Es ist ein wunderschönes und anspruchsvolles Stück, in dem sich einige Musiker auch solistisch präsentieren können. In der zweiten Konzerthälfte spielen wir noch einmal Beethoven. Mit der  Sinfonie Nr. 4 haben wir die kammermusikalischste seiner Sinfonien ausgewählt und zeigen einmal mehr, dass auch ein kleines Orchester groß klingen kann.

Interview: Ronald Klein

Deutsches Kammerorchester Berlin, Philharmonie/Kammermusiksaal, Di 23.09., 20 Uhr

 

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