Konzerte & Party

Ein Interview mit Highgrade Records

Highgrade Recordstip Ich habe letzte Woche mit jemandem gesprochen, der sich schon lange im Clubbereich bewegt. Der sagte „Techno wird es so wie jetzt nicht mehr lange geben“, Blödsinn?
Todd Bodine Das höre ich schon seit 15 Jahren.
Tom Clark  Musikalische Innovation geht immer noch vor allem von elektronischer Musik aus. Auf den angesagten Partys wird so gut wie immer zu elektronischer Musik getanzt. Die Definitionen, ob das Techno ist oder nicht, gehen da natürlich auseinander.


tip Was sind die größten Herausforderungen für ein Techno-Label derzeit?
Mariana Luzardo Momentan haben es viele Labels schwer. Wir brauchen eine angemessene Reglementierung für illegale Downloads. Zum Beispiel eine Lockerung des Datenschutzgesetzes, damit man leichter gegen Verstöße vorgehen kann. Vom Konsumenten wünschen wir uns mehr Respekt für die Arbeit von Independent Labels und deren Künstler, die auch entlohnt werden müssen. Es wäre toll, wenn die Labels mehr ?zusammenarbeiten würden, denn die Probleme betreffen ja alle.
Bodine Und von der GEMA könnten wir ein eigenes Genre mit entsprechend gerechter prozentualer Gewichtung für unsere Künstler und eine Entbürokratisierung gebrauchen.


tip Gab es in der Label-Geschichte jemals einen Zeitpunkt, wo Ihr hättet aufgeben wollen? Oder müssen?
Clark Ich habe das Label vor zehn Jahren gegründet und vor etwa drei Jahren war ich an dem Punkt aufzugeben. Denn es war für mich allein einfach zu viel, und es gab den ersten großen Einbruch auf dem Vinylmarkt. Aber ich habe mich aufgerappelt und zusammen mit Todd und Mariana das Label umstrukturiert und auf ein neues Level gebracht.
Bodine Jeder Tag ist im Musikbusiness ein Kampf. Aber wir glauben an Highgrade und lieben Musik. Wir versuchen, uns nicht zu übernehmen.

tip Hat sich eure Arbeit in den Jahren sehr verändert?
Clark Das kann man wohl sagen. Früher kamen die Platten halt raus, wenn der Hersteller die Produktion eben fertigmachen konnte. Das kann man heute gar nicht mehr so machen. Jeder hat seine Aufgaben, und bei entscheidenden Themen sitzt das ganze Team zusammen, um über neue Projekte und Ideen zu debattieren. Regelmäßig finden bei uns auch Label-Meetings mit unseren Stammkünstlern statt. Allein unser Release-Plan ist taggenau auf 35 Arbeits-Schritte eingetaktet.

tip Ihr seid in den letzten Jahren immer mehr gewachsen. Wie viele Mitarbeiter habt ihr mittlerweile?
Clark Wir haben innerhalb von einem Jahr zwei feste Mitarbeiter eingestellt, und wir hoffen, es werden mehr. Genug Arbeit ist ja da.

tip Was ist das Spezielle an eurem Label?
Bodine Highgrade ist bunt. Unser vielfältiger Musikgeschmack spiegelt sich auch in den Releases wieder. Da kann schon mal auf eine House Platte eine Techno Platte folgen. Dabei ist es uns immer wichtig, hinter dem zu stehen, was wir machen und keinem Trend hinterherzujagen.
Clark Highgrade ist für mich wie eine Familie. Man ist über die ganzen Jahre auch freundschaftlich verbunden. Die Arbeit endet nicht nach einem 8-Stunden-Tag, sondern geht 24 Stunden nonstop. Ob man sich mit Freunden oder anderen Künstlern zum Musikmachen trifft, eine neue Idee entwickelt oder am Wochenende auflegt.

tip Was gehört alles zu euren Aufgabengebieten?
Clark Die Label-Arbeit ist inzwischen wahnsinnig umfangreich geworden. Um einen Künstler an ein Label zu binden, muss man ihn von Anfang an betreuen und unterstützen.
Bodine Highgrade unterteilt sich in die Bereiche Label und Booking.
Einige Aufgaben im Labelbereich sind Demos hören, Künstler-Auswahl und vor allem neue talentierte Künstler suchen und finden. Track-Auswahl, Bestimmung der Track-Reihenfolge, Vertragsgestaltung, GEMA-Anmeldung, Mastering, Grafik, Produktion, Promotion, Lizenzabrechnung und vieles mehr.
Luzardo Das allerwichtigste ist eine Riesenportion Leidenschaft für das, was man tut. Ausdauer und Disziplin, ohne das würde gar nichts gehen.

tip Wie soll es mit Highgrade weitergehen?
Bodine Wir haben hochgesteckte Ziele. Unsere konkrete Planung machen wir aber immer nur für ein Jahr. Zum einen wegen der eingeschränkten finanziellen Mittel, zum anderen weil die Entwicklung im Musikbusiness schwer voraussehbar ist. Unser Ziel ist es, unsere Label-Showcases weltweit zu etablieren, unsere Musik möglichst vielen Menschen nahezubringen, und an der Weiterentwicklung von elektronischer Musik mitzuwirken.

Interview: Laura Ewert

Foto: Oliver Wolff

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