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Ein Interview mit Hot-Chip Sänger Alexis Taylor

Hot Chiptip Und klingen mehr denn je wie Donna Summer und Giorgio Moroder: eine ätherische Stimme über gradlinig pulsierenden Synthesizern.
Taylor Ja, das erste Stück „Thieves In The Night“ ist ziemlich Moroder-mäßig. Aber für mich waren bei diesem Album Beatles und Prince als Einflüsse wichtiger. Ich habe viel in dem Buch „Revolution in the Head“ von Ian MacDonald gelesen, in dem er den Aufnahmeprozess jedes einzelnen Beatles-Songs erklärt. Und ich habe jede Menge Beatles gehört. Aber eher, um abzuschalten, nicht, um so zu klingen.

tip Sie haben Charles Hayward als Gastmusiker angeheuert, der in den 70ern mit This Heat Electronica-Experimente aufnahm. Wie kamen Sie ausgerechnet auf ihn?
Taylor Charles ist einfach der wahrscheinlich beste Drummer, den ich je gehört habe. Ich mag This Heat sehr, auch seine spätere Band Camberwell Now. Ich habe eine Platte mit ihm gemacht, „About“, mit John Coxon und Pat Thomas. Die besteht nur aus Improvisation. Ich dachte dann, es wäre interessant, Charles für ein Pop-Projekt zu gewinnen und ihn in diesen Songs zu hören, die so eine Art stampfendes Stax-Feeling haben, „Hand Me Down Your Love“ und „One Life Stand“.

tip Letztes Jahr hatte La Roux auf ihrem Debüt ein Duett mit Phil Oakey von Human League. Kann man heute keine anspruchsvolle Popplatte mehr machen ohne einen clever gewählten historischen Paten an Bord?
Taylor Ich finde, mit Charles ist es eine ganz andere Sache als mit Phil Oakey. Ich brauchte eine Weile, bis ich kapierte, wie wenige Leute This Heat kennen. Es gibt einige Musiker, die wir mögen, Ikonen wie Peter Gabriel oder Sinйad O’Connor, aber ich fürchtete, wenn wir die fragen würden, ob sie auf unserer Platte mitmachen würden, würde das von unserer eigenen Musik ablenken. Es ist ganz schön, mit Leuten zu arbeiten, die nicht so im Rampenlicht stehen.

Hot Chiptip Sie nehmen im April die Newcomer The XX als Support mit auf US-Tour. Die kommen gerade von der Schule, auf der Sie früher waren. Der viel beachtete Dubstep-Künstler Bu­rial war auch dort. Was ist das Geheimnis dieser Schule in Südlondon? Gibt es da einen besonders guten Musiklehrer?
Taylor Die Musikabteilung war eine der schlechtesten an der Schule, was die akademische Ausbildung anging. Die Lehrer wechselten alle ein oder zwei Jahre. Ich denke, es ist Zufall. Aber vielleicht hat das einen Effekt auf angehende Musiker, wenn sie andere von derselben Schule sehen, die Erfolg haben. Als wir dort waren, spielte unser Freund Kieran, der als Four Tet bekannt wurde, in der Band Fridge. Das war ziemlich spannend, sie waren die ersten Leute, die ich kannte, die Platten rausbrachten. The XX waren zu jung, als dass ich sie hätte treffen können.

tip Gibt es einen Künstler, dessen Arbeitsweise Ihnen klargemacht hat, dass Sie selbst Popkünstler werden wollen?
Taylor Ich denke, Prince ist der Musiker, den ich in meinem Leben am meisten gehört habe. Ich höre ihn immer noch ständig, denke über ihn nach, kaufe unveröffentliche Musik von ihm und entdecke neue Aspekte in seiner Musik. Im Moment bin ich wahrscheinlich eher von Will Oldham beeinflusst und inspiriert. Alles, was er macht, seine Live-Aufnahmen, die Konzerte, auf denen ich war, jede Split-Single, die er macht, alles ist spannend für mich, wie bei Bob Dylan.

Interview: Kolja Reichert

Hot Chip, Astra Kulturhaus, Fr 12.3., 21 Uhr, ausverkauft

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Lesen Sie hier die CD-Besprechung: Hot Chip „One Life Stand“ 

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