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Ein Interview mit Hot-Chip Sänger Alexis Taylor

Hot Chip

tip Mit Hot Chip wurden Sie zum Role-Model für die verspulten, bunt bebrillten IndiePop-Nerds der Nullerjahre. Jetzt sind Sie Vater geworden. Wie darf man sich das vorstellen, haben Sie Ihre kleine Tochter auf dem Schoß, während wir gerade telefonieren?
Alexis Taylor Nein, da würden Sie viel mehr vom Baby hören als von mir. Sie schläft zurzeit sehr viel.

tip Hat es Ihre Arbeit als Musiker verändert, Vater zu sein?
Taylor Als meine Tochter noch sehr klein war, habe ich manchmal Klavier gespielt, während ich sie im Arm hielt. Die ersten drei Monate konnte ich kaum Musik machen. Dann wollten wir unsere neue Platte fertigmachen, da musste ich mir wieder Zeit freiräumen. Musik war allerdings noch nie etwas, das ich mir vornehme. Ich schreibe Songs, wann immer mir eine Idee kommt. Ich habe zu Hause einen kleinen Aufnahmeraum, so kann ich mit meiner Frau und meiner Tochter leben und gleichzeitig Musik machen. Ich werde jetzt auf Tour gehen, aber ich versuche, nicht allzu lange weg zu sein.

tip Ihr drittes Album „Made In The Dark“ wurde für seine Komplexität gefeiert. Die Erwartungen an den Nachfolger sind entsprechend hoch. Spüren Sie Druck?
Taylor Zum Glück nicht beson­ders. Wir sind selbst darum bemüht, mit jeder Platte etwas anderes zu machen. Der Druck und die Erwartungen kommen eher von uns selbst als von anderen.

tip Was wäre der größte Fehler, den Sie mit „One Life Stand“ hätten machen können?
Taylor In Fehlern darf man nicht denken. Das hält dich von guten Ideen ab und von Zufällen. Die Vorstellung, dass es eine richtige, korrekte Methode gibt, eine Platte zu machen, ist an sich schon ein Fehler.

Alexis Taylortip Sie sind typische Schlafzimmer-Produzenten. Ihre bisherigen Platten montierten Sie aus einzelnen Soundschnipseln zusammen, entsprechend verspult klang die Musik. Wie haben Sie diesmal gearbeitet?
Taylor Wir haben mehr Zeit in die Planung gesteckt. Für unser Vampire-Weekend-Cover „Cape Cod Kwassa Kwassa“ waren wir letztes Jahr einen Tag bei Peter Gabriel in seinen Real World Studios. Von dem Moment, in dem er den Raum betritt, kann alles aufgenommen werden, was passiert, ohne eigenen Kontrollraum. So ähnlich haben wir uns auch eingerichtet. Früher waren die Songs eigenartige Gebilde aus einzelnen Teilen, die erst beim Aufnehmen entstanden, ein Samplen und Collagieren nach dem Vorbild alter HipHop-Platten. Diesmal hatten wir großes Vertrauen in die Songs und konnten die Sache viel entspannter angehen. Den Luxus hatten wir noch nie.

tip Diesen klaren, sicheren Raum hört man der Platte an. Das Besondere an Hot Chip lag immer in einem schelmischen, dezidiert antiprofessionellen An­satz. Fehler und Zufälle waren gewollt, die Stücke klangen gerne unabgeschlossen. Dieses Augenzwinkern ist jetzt weg, „One Life Stand“ ist eine klare, konsequente Pop-Platte. Haben die Nerds ihr Selbstvertrauen als Popstars entdeckt?
Taylor Ich weiß nicht, was das mit dem Nerdtum soll, aber vielleicht sehen die Leute uns so. Ich habe uns nie als Nerds gesehen. Wir haben nie etwas aus Witz zurückgehalten, wir sind eigentlich ziemlich ehrlich.

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