Konzerte & Party

Ein Interview mit Kate Nash

Kate Nash

tip Zurzeit hat man ihre Single „Do Wah Doo“ im Ohr. So ein Song war von Ihnen zu erwarten. Lassen Sie uns aber mal über die erstaunliche Brandrede gegen Groupies in „Mansion Song“ sprechen. Was ging in Ihnen vor, als sie die verfasst haben?
Kate Nash Ich habe auf einem Festival gespielt und mich fürchterlich über diese Mädchen aufregt. Sie haben sich an jede Band rangemacht und gierten danach, eine davon auf Tour zu begleiten. Groupies sind eine Plage und blamieren sich bis auf die Knochen. Mit Musikern bumsen – was ist das denn für ein Lebensinhalt? Diese bemitleidenswerten Kreaturen merken gar nicht, dass sie nur ausgenutzt werden. Ich will ja nicht den Moralapostel spielen und sage nicht, dass man nicht häufig den Partner wechseln, keinen Sex haben oder nicht auf Rock’n’Roll machen soll. Ich finde nur, dass man nicht so weit gehen muss, seine Seele zu verkaufen, nur weil man einen Fuß in die Tür der Musikwelt bekommen will.

tip Auf Ihrem ersten Album waren sie flapsig. Jetzt hört sich vieles harsch an. Warum ist das so?
Nash Ich war noch Teenager, als ich das erste Album geschrieben habe. Mir gefällt die Unschuld, die da drin steckt. Aber es betrifft eine Zeit, die nicht wiederkehren wird. Zwischenzeitlich war mir speiübel von dem ganzen Gehabe der Musikindustrie, die immer mehr will, nur auf Zahlen achtet und mit dir ein mörderisches Programm durchpeitscht. Ich fühlte mich ausgebrannt und konnte mich plötzlich nicht mehr für Musik begeistern. Es steckt viel Frustbewältigung in meinen aktuellen Songs.

tip Wie sind sie wieder auf die Beine gekommen?
Nash Mein Freund (Ryan Jarman von The Cribs, d. Verf.) hat mir sehr geholfen. Ich war auf der Suche nach einem Produzenten für das neue Album und keiner der Kandidaten überzeugte mich. Da schlug er Bernard Butler vor, mit dem er früher schon mal zu tun hatte. Ich war mir erst nicht sicher und hatte schon die Überschrift ‚Duffys Produzent arbeitet mit Kate Nash‘ vor Augen. Aber dann lief mit Bernard alles bestens. Wichtig war auch die Beschäftigung mit Musik an sich. Anfang letzten Jahres war ich total in das Box-Set ‚One Kiss Lead To Another‘ verknallt, das rare Aufnahmen von Girlgroups aus den frühen Sechzigern enthält.

tip Auf Ihrer Myspace-Seite ist zu lesen, dass Sie das Album „Tim“ von The Replacements lieben. Wie haben Sie das entdeckt?
Nash (strahlt) Ich hatte in einem Plattenladen in Philadelphia gespielt, dort stieß ich auf diese Platte. Ich wollte schon immer mal ein Album von den Replacements besitzen. Das ist richtig zupackender Rock’n’Roll, aber bei aller Härte kommen Gefühl und eine gewisse Süße nicht zu kurz. Man spürt, wie sehr diese Leute die Welt verändern wollten.

tip Sie spielen jetzt so ganz nebenbei auch in einer Punkband namens The Receeders. Wie ernst sind da Ihre Absichten?
Nash Die Idee, in so einer Band zu spielen, gibt es schon länger. Vor kurzem habe ich die passenden Leute für die Umsetzung des Plans gefunden. Ich spiele Bass. Vorher hatte ich keine Ahnung, wie man das Ding bedient, aber das war egal. Ich habe einfach losgelegt und fertig. Bisher kommen wir auf fünf Songs. Sobald wir zehn haben, nehmen wir ein Album auf und veröffentlichen es in Eigenregie. Es soll nichts an die große Glocke gehängt werden.

Interview: Thomas Weiland

Foto: Clare Nash

Kate Nash, Astra Kulturhaus, Mi 26.5., 20 Uhr, VVK: 23 Euro

Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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