Konzerte & Party

Ein Interview mit Roxanne de Bastion

Roxanne de Bastion

tip Roxanne, man trifft dich seit vielen Jahren auf den Live-Bühnen an. Warum hast du dir mit dem Debüt-Album entsprechend Zeit gelassen?
Roxanne de Bastion Stimmt, allerdings erst so richtig mit Gitarre und eigenen Songs seit dem ich in 2007 nach England gezogen bin. In den letzten fünf Jahren habe ich so viel gespielt und Songs komponiert. Ich fand, dass ich mir das Album erst verdienen musste – jetzt ist es endlich soweit!

tip Während viele Musiker und bildende Künstler regelrecht nach Berlin strömen, bist du vor einigen Jahren den umgekehrten Weg gegangen. Warum?
Roxanne de Bastion Als ich in England ankam, hieß es zunächst: „Berlin…that’s in Germany, right?“ und binnen vier Jahren steigerte sich die Reaktion zu „Oh, you’re from Berlin? That’s so cool, what are you doing here?“… Ich liebe Berlin, aber musikalisch gesehen war England immer meine Heimat. Texte sind mir sehr wichtig und ich wollte schon immer meine Lieder vor einem englischsprachigen Publikum spielen. Hinzu kommt, dass ich meinen eigenen Weg gehen musste – weg von zu Hause, auch wenn es sich dabei um die schönste Stadt der Welt handelt.

tip Wie schwierig war es, in England anzukommen?
Roxanne de Bastion Persönlich war es schwer, alleine in einem dann doch fremden Land einen Neubeginn zu wagen. Musikalisch war es aber recht einfach. In England gibt es in jedem kleinen Dorf Konzerte und begnadete Musiker. Anschluss und Gigs findet man also schnell.

tip Was unterscheidet Berlin und London im Allgemeinen?
Roxanne de Bastion Berlin und London könnten eigentlich gar nicht unterschiedlicher sein. Es wäre einfacher, wenn du mich fragen würdest, was die Städte gemeinsam haben… Für mich sieht es so aus: In London ist man ehrgeizig, voller Energie und Durchblick, es gibt immer etwas zu tun und der Terminkalender ist immer voll. In Berlin sitzt man mit Freunden und einer Flasche Bier im Park und fühlt sich etwas freier und leichter.

tip Und hinsichtlich der Musikszene?
Roxanne de Bastion In London gibt es jeden Tag so viele Konzerte – mit so viel Konkurrenz kann das Musikerdasein hier echt schwierig werden. Allerdings hat das auch seine positiven Seiten – ich bin lieber da wo’s schwieriger ist – sonst wird’s ja langweilig!

tip Du warst ebenfalls auf US-Tournee. Mit welchen Eindrücken bist du zurückgekehrt?
Roxanne de Bastion Ich liebe New York! Vor allem war ich vom Publikum begeistert. Alle Amerikaner können Harmonien singen. Das wird dort scheinbar mit in die Wiege gelegt! Im Vergleich zu England ist das Publikum in den USA viel lockerer – es wird unaufgefordert mitgesungen und mitgetanzt, ganz unbedarft. Das Niveau der Singer-Songwriter fand ich auch inspirierend. Ich habe noch nie so viel Talent einem Raum erlebt wie in dem kleinen Folk-Club in Brooklyn…

tip Hinsichtlich früherer Veröffentlichungen hat sich dein Stil auf der CD gewandelt: reduzierter, aber dadurch konzentrierter und reifer. Erforderte es Mut, sich lediglich auf Stimme und Akustikgitarre zu fokussieren?
Roxanne de Bastion Danke! Nee, Mut erforderte das gar nicht – als wir dieses Album aufnahmen, fiel mir ein Stein vom Herzen. Wenn ich live spiele, sind ohnehin nur Gitarre und Gesang im Spiel, und so habe ich es auch am liebsten. Ich war noch nie ganz mit den vollen Produktionen und glattgebügelten Aufnahmen zufrieden. Der Stil der Aufnahme hat sich also eher meiner Live-Performance angeglichen. Ich wollte unbedingt eine ehrliche Repräsentation meiner Liveshows haben.

Interview: Ronald Klein

Roxanne de Bastion, Grüner Salon, Sa 11.5., 20 Uhr

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