Konzerte & Party

Ein Interview mit Sharon Brauner

Sharon Brauner

Wir sprachen mit ihr über die Besonderheit des Hauses und die Notwendigkeit einer modernen Interpretation jiddischen Liedgutes.

tip Vor einigen Jahren standen Sie mit dem Projekt „The Jewels“ auf der Bühne. Knüpft „Jewels“ daran an?
Sharon Brauner
Ja, „Jewels“ steht für jiddische Evergreens. Die gleichnamige CD ist das Ergebnis aus vielen Jahren Bühnen-Erfahrung. Uns gibt es in der Kernbesetzung, die heute noch besteht, bereits seit den 90er-Jahren und wir haben damals schon einige jiddische Lieder in eigenem Style gespielt. Den Begriff „The Jewels“ hatte ich 2003 für eine Show in der Bar Jeder Vernunft gewählt, weil wir einen Namen brauchten. Was anfänglich noch mit einigen wechselnden Musikern, Sängern und Sängerinnen ein stark von den Barry Sisters beeinflusstes Projekt war, hat sich über die Jahre immer mehr weiterentwickelt. Wir experimentieren zwar immer noch mit anderen Musikern, aber ich würde heutzutage nicht mehr von einem Projekt sprechen. Die Musik ist komplett mit uns verschmolzen. Und in all den Jahren in denen wir live mit deutschen und jiddischen Liedern gemischt aufgetreten sind, kamen viele der Zuschauer nach dem Konzert und wollten eine CD mit ausschließlich jiddischen Liedern kaufen. Deswegen haben Daniel Zenke, unser Bassist und Produzent, und ich uns nach einem Konzert zusammengesetzt und beschlossen, nach all den Jahren endlich eine erste „Jewels“-CD zu produzieren.

tip Nach welchen Kriterien haben Sie die Musikauswahl zusammengestellt?
Sharon Brauner Es gibt so wunderbare, zum Teil Jahrhunderte alte jiddische Lieder, die einem Schatz gleichen. Wir hätten doppelt so viele Lieder einspielen können. Wir haben einfach die Lieder aus unserem Repertoire gewählt, die uns gerade in den Sinn kamen. Das einzige Kriterium war die Lust.

tip Mit „The Jewels“ wählten Sie damals bewusst andere Arrangements, um sich von den gängigen Klezmer-Formationen abzusetzen. Ist das bestehen geblieben?
Sharon Brauner Ja, wir sind unserem Stil treu geblieben. Wir verleihen jedem Lied das Gewand, das zu ihm passt und bedienen uns bei verschiedenen Musikrichtungen. Ich hab mich schon immer gelangweilt, wenn sich Lieder eines Interpreten oder einer Band zu sehr ähnelten. Die Musikkassetten, die ich als Kind aufgenommen habe, waren bereits immer wild durcheinander gemixt. Nun hab ich seit Jahren das große Glück mit Meistermusikern wie Harry Ermer oder Daniel Zenke und natürlich noch anderen zusammenzuarbeiten, die diese musikalische Vielfalt beherrschen. Beim Konzert stehen zusätzlich noch Sebastian Borkowski, der bei Jazzanova spielt, und ein Gipsy-Flamenco-Gitarrist auf der Bühne. So bleiben viele Lieder zwar dieselben, wirken aber wie neu.

tip Früher galten Museen als Orte der Andacht, das hat sich in den letzten Jahren etwas gewandelt. Der Klezmer-HipHopper So Called verwandelte das JMB in einen Ort der Euphorie. Haben Sie Ihr Programm speziell für das Haus modifiziert?
Sharon Brauner Jeder Ort hat ja seine eigene Magie und gerade im Sommer hat das Jüdische Museum eine fantastische, relaxte Atmosphäre. Das ist wie gemacht für unser neues Album, auf dem viel „Jiddish goes Easy Listening“ zu hören ist. Da mussten wir nicht viel anpassen. Allerdings stehen mehr Musiker auf der Bühne als sonst. Es wird weniger deutsche, jazzige Lieder und Anekdoten aus meinem Leben geben als z.B. bei unsern Konzerten in der „Bar jeder Vernunft“. Wir freuen uns sehr auf die einzigartige Location und hoffen ganz unbescheiden, dass wir die Atmosphäre an diesem 9.8. noch toppen und den Ort der Euphorie in einen Ort der Ekstase verwandeln werden.

tip Das Konzert stellt eine Pre-Release-Party da. Wann kommt denn das Album auf den Markt?
Sharon Brauner Das Album ist fertig und hätte eigentlich am Tag des Konzertes rauskommen sollen. Da aber bei mir privat so viel passiert ist und ich im Herbst diesen Jahres nicht auf Tournee gehen kann, werden wir die CD erst im Frühjahr 2013 herausbringen.

tip Welche Songs werden darauf enthalten sein?
Sharon Brauner So gut wie alle Lieder, die wir auch live spielen, aber in einer entspannteren Variante. Auf der Bühne sind wir wilder. Also von „Bei mir bist Du sheyn“ im Bossa Nova Style bis „Belz“, das in unserer Version auf ein Easy-Listening-Album passen würde, aber auch unbekannteres, wie z.B. ein Tango, den wir mit dem Casal Quartett aufgenommen haben, ein sexy Streichquartett, das 2010 einen KlassikEcho gewonnen hat.

tip Es ist gar nicht leicht, Ihre Alben „Sharon“ (2002) oder „Glücklich unperfekt“ (2009) noch zu kaufen, sieht man einmal von den MP3-Downloads ab. Sind Wiederveröffentlichungen geplant?
Sharon Brauner Doch es ist total leicht. Man muss nur zu iTunes gehen, oder auf meine Web-Seite www.sharonbrauner.de. Dort gibt es die CDs sogar signiert zu kaufen. Vom ersten Album gibt es bereits die vierte Nachpressung. Obwohl sie 2002 rausgekommen ist, wird sie immer noch rege auf meiner Seite bestellt.

tip Vor einigen Jahren pendelten Sie zwischen Berlin und New York. Hat Berlin in seiner kulturellen Vielfalt und Bedeutung dem Big Apple mittlerweile den Rang abgelaufen?
Sharon Brauner Ich war so lange nicht mehr in New York, sodass ich das nicht mehr beurteilen kann. Allerdings reizt mich die Stadt auch im Moment nicht so, wie Berlin es tut. Berlin ist mit Sicherheit eine der Städte in der Welt, wo man permanent das Gefühl hat, man ist zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Ich liebe die Freiheit, die Vielfalt und die Natur. Und natürlich die Menschen, die diese Stadt prägen. Hier fehlt meiner Meinung nach nur eins: Das Meer.

Interview: Ronald Klein

Foto: Mathias Bothor

Sharon Brauner & Band
Do 9.8., 20 Uhr
im Jüdischen Museum

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