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Ein Interview zur neuen Platte: K.I.Z.

K.I.Z.

tip Seit eurem letzten Album 2011 hat sich einiges getan in der deutschen Rap-Szene. Viele Bands mit ähnlichem Humor und ähnlich gesellschaftskritischen Texten sind dazugekommen. Macht es das schwerer?
Maxim?Das wird man sehen. Das ist halt wie bei einem Einzelkind, das plötzlich viele Geschwister bekommen hat und jetzt um die Liebe seiner Eltern buhlen muss, weil es nicht mehr so einzigartig ist wie davor. Im Endeffekt glaube ich aber, dass der Rap-Kuchen immer größer wird und auch die einzelnen Stücke immer größer werden.

tip Immer wenn von der Antilopen Gang ?und Zugezogen Maskulin die Rede ist, werdet ihr als Referenz herangezogen. Nervt das?
Maxim?Ich finde das eigentlich ziemlich schön. Es ist das größte Kompliment, das man bekommen kann, wenn Leute zu einem sagen, man habe einen Stil mitgeprägt.
Tarek?Es sei denn, sie sagen: „Ey, ihr seid ja viel besser als K.I.Z. Endlich seid ihr da!“ Das wäre hart. Was uns kurz gestört hat, war der Aufruhr wegen des „Verliebt“-Videos der Antilopen. Homosexualität war unsere Idee! (lacht)

tip Eure neue Platte heißt „Hurra die Welt geht unter“. Warum ist das ein Grund zur Freude?
Maxim?Der Hintergedanke war der: Es gibt ganz viele gerappte, gesungene und verfilmte Untergrundszenarien. Und die enden immer in einer riesigen Katastrophe, in der jeder auf den anderen losgeht. Daraus folgt dann: Der Mensch ist von Natur aus böse. Gott sei Dank haben wir einen starken Staat, der uns in Zaum hält. Diese Ideologie wollen wir im gleichnamigen Song aufs Korn nehmen und den Leuten mitgeben: Vielleicht ist das Ende der Welt, wie wir sie kennen, gar nicht so dramatisch, wie wir immer denken.

tip Eure Vorstellungen von der Welt nach ?der Welt klingen auf jeden Fall sehr sozialistisch.
Maxim?Das stimmt. Außerdem gibt es in unserer Utopie keine Armee mehr, niemand muss auf einer Parkbank schlafen, keiner muss sich dafür rechtfertigen, wen er liebt. Religionen existieren auch nicht mehr; schlicht und einfach deshalb, weil der Jenseitsgedanke überflüssig geworden ist. Man braucht den ja nur, um vom schlimmen Diesseits abzulenken.

K.I.Z.tip Woher kommt dieses neue Bedürfnis nach Ernsthaftigkeit? Euer neues Album ist für eure Verhältnisse ziemlich unlustig.
Tarek?Auf früheren Alben hatten wir auch schon ernste Songs, die sind aber zwischen all den Tracks, in denen wir sagen, wie cool wir sind, ein bisschen untergegangen. Inzwischen stellt das keiner mehr infrage. Deshalb kommt jetzt der Seelen-Rap.
Nico?Dass es weniger Schenkelklopfer gibt, hängt auch damit zusammen, dass man – um Battle-Rap-Songs interessant zu halten – zwangsläufig ins Klamaukige abrutscht. Bei Tracks, die Geschichten erzählen, ist das aber nicht nötig. Und diesmal wollten wir eben mal richtige Themen machen. Einfach, um es auch für uns interessant zu halten.

tip Hat „Hurra die Welt geht unter“ denn ein übergeordnetes Thema?
Nico?Der rote Faden sind die ganzen, schlechten Facetten, mit denen wir unsere heutige Welt beschreiben. Die Platte startet zwar mit einem fetten Representer („Wir bestehen nicht aus Menschenfleisch, wir sind die Erfinder des deutschen Humors.“), im Verlauf werden die Geschichten aber immer schrecklicher und der Sound immer düsterer.

tip Trotzdem ist eure neue Platte recht unpolitisch. Von der Single „Boom Boom Boom“ abgesehen, in der es um Fremdenfeindlichkeit und die Flüchtlingsthematik geht.
Maxim?Wir haben uns nicht auf die Fahne geschrieben, Bildungsmusik zu machen. Uns ging es schon immer um Unterhaltung.
Tarek?Für den Hörer sind persönliche Geschichten einfach interessanter. Die Gesellschaft setzt sich aber aus Individuen zusammen. Dementsprechend ist es natürlich auch gesellschaftskritisch, wenn wir davon erzählen, wie man gemobbt wird, weil man die falschen Klamotten anhat oder im falschen Land geboren ist.
Maxim?Es wäre Quatsch, mit Parolen um sich zu werfen, ohne persönlichen Bezug. Politisierung fängt immer mit einem subjektiven Interesse an.

tip Glaubt ihr denn, dass Musik in der Gesellschaft etwas verändern kann??
Maxim?Veränderung beginnt immer damit, dass sich in unserem Bewusstsein etwas umpolt, und darauf hat Musik durchaus Einfluss. Man wird aber nie sagen können, dass diese oder jene Songzeile eine Revolution ausgelöst hat. Und leider werden auch nicht alle gut getexteten Songs gehört.

Interview: Henrike Möller

Fotos: Christoph Voy

K.I.Z., Max-Schmeling-Halle, Am Falkplatz, Prenzlauer Berg, Fr 18.12., 20 Uhr, ?VVK: 28 Euro zzgl. Gebühr

K.I.Z.: Hurra die Welt geht unter (Universal)

K.I.Z.: Hurra, die Welt geht unter

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