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Ein Interview zur neuen Platte: Mia.

Mia.

tip Auf euren jüngsten Bandfotos seid ihr im Tacheles zu sehen, einem bedrohten Kulturort in Berlin. Ist der Albumtitel eine Verbeugung davor?
Andi Penn?Auch, aber es geht darüber hinaus. Denn als wir damals nach einem Albumtitel suchten und plötzlich dieser Begriff da war: Das hat uns aufhorchen lassen. Denn wir hatten alle solche Attribute im Kopf, nur waren wir noch nicht auf das Wort gekommen. Es sollte bei diesem Album um so etwas gehen: Klartext reden.

tip Auch untereinander?
Robert „Bob“ Schütze?Genau. Dazu muss man wissen, dass die Situation für dieses Album so war, dass wir aus einer langen Pause gekommen sind. Die hatten wir bewusst genommen – nach vier Alben und allem, was dazugehört. Auch wenn die Begeisterung darüber in der Band zunächst unterschiedlich ausfiel.
Mieze?Das ist das Album, bei dem wir am meisten überhaupt diskutiert haben. Wie wir miteinander gesprochen haben, hat sich total verändert, weil wir ein anderes Selbstvertrauen für unsere Beziehung als Band entwickelt haben. Nach 15 Jahren haben wir uns getraut, kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen. Obwohl wir eigentlich alle totale Harmoniebolzen sind!
Bob?Wir haben diesmal zu einem viel früheren Zeitpunkt als sonst gemeinsam an den Songs gefeilt, haben alle zusammen vor einem Rechner gesessen, Musik kreiert. Jeder hatte jederzeit Einfluss auf die Songs, und das immer im Austausch mit den Texten von Miez. Es gab ja einen Unterschied, denn Miez hatte in der Pause nie aufgehört zu schreiben. Sie hat Stift und Zettel nie beiseite gelegt und brachte viele Eindrücke mit. Dafür brauchte sie jetzt Musik, es ging darum: Wie können wir das zusammenbringen? Wir haben viel gefightet, diskutiert.
Mieze?Es ging dabei nie um „Ego“, sondern immer um den bestmöglichen Song. Und das ist pure Emotion. Teilweise ging’s bei uns zu wie bei einer italienischen Familie! Aber wir haben einen qualitativen Schritt gemacht, wie wir als Band miteinander sein wollen. Das war sehr schön. Im Nachhinein gesehen, hat für uns das „Tacheles“-Prinzip gegriffen.

tip Die neuen Songs sind teils härter, nicht mehr so gefällig wie auf den beiden vorigen Platten. Wie kommt es zu dem veränderten Ton?
Bob?Es gab einen Prozess zu reduzieren, für jedes Instrument den Platz freizuräumen. Wir haben versucht, auf das Nötige zu reduzieren, nur das, was der Song braucht, um die Message und die Melodie transportieren zu können.
Mieze?Mir ist aufgefallen, dass die Jungs mit dieser minimaleren Musik letztlich mir Platz gemacht haben für die zum Teil sehr bedeutungsstarken Texte. Gunnar hat das mal so schön gesagt: „Wenn alle gleichzeitig laut schreien, versteht man nichts mehr. Aber wenn sich ein Teil zurücknimmt, werden andere Stimmen lauter.“ Genau das ist passiert.

tip Mieze, du kamst als Einzige nicht mit „leeren Händen“ zurück aus der Pause?
Mieze?Ich hab weitergeschrieben. Das war ein stückweit ein Halt, den ich gesucht habe, weil ich eine sehr konfrontative Pause hatte. Es passierten viele Dinge hier in Berlin, die mich schlichtweg überfordert haben. Ich hab dann gesagt: Ich bin jetzt weg, ich hau ab.

tip Was war geschehen?
Mieze?Ich kann nur sagen, mir ist das Leben passiert, und es hat sich mir von einer harten Seite gezeigt. Und da ich jemand bin, der sehr viel mit sich allein abmacht, bin ich da klar an meine Grenzen gestoßen.

Lesen Sie das vollständige Interview im aktuellen tip 07/12 auf den Seiten 66-67.

Interview: Ulrike Rechel

Foto: 2011 H.Flug

Mia: Tacheles (R.O.T./Universal)

Mia: Tacheles Live, 15.12., Columbiahalle

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