Konzerte & Party

Ein Jahr nach der Loveparade-Katastrophe

Loveparade 2010

Am 24. Juli jährt sich die Katastrophe von Duisburg und damit das vorläufige Ende der weltweit bekanntesten deutschen Technoveranstaltung. Ein Mahnmal für die 21 Toten im Tunnel wurde bereits errichtet und die noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen des Geschehens haben – wenig überraschend – ergeben, dass die Veranstaltung in dieser Form niemals hätte genehmigt werden dürfen.  
Rainer Schaller, der mit seiner Fitnesskette McFit das Event organisierte und maßgeblich finanzierte, hatte bereits kurz nach der Katastrophe die Ära der Loveparade für beendet erklärt.
Gegen diese Entscheidung regt sich nun Widerstand. Im Internet und in diversen Facebookgruppen, die gemeinsam auf fünfstellige Mitgliederzahlen kommen, gibt es verschiedene Initiativen, die die Rückkehr der Loveparade nach Berlin fordern. Ihre Argumente sind durchweg gleich: Nur weil in Duisburg unverantwortlich gehandelt wurde, dürfe das zentrale Fest der Anhänger elektronischer Musik nicht sterben. Berlin und der weiträumige Tiergarten seien ohnehin die bessere Veranstaltungsfläche. Oder ganz schlicht: Die Loveparade gehöre zu Berlin wie der Karneval zu Rio.
Loveparade 2010Tatsächlich rufen diverse Initiativen auf, am 23. Juli um 14 Uhr entlang der ehemaligen Loveparade-Strecke, der Straße des 17. Juni, mit dem Auto zu parken, die Straße zu beschallen und am Wegesrand zu tanzen. Und damit das Ganze nicht gleich den Charakter einer dieser umstrittenen Facebookpartys bekommt, empfehlen die Betreiber brav, dass die Teilnahme auf eigene Rechnung erfolge und dass den Anweisungen von Polizei und Beamten der Stadt strikt Folge geleistet werden solle.  
Tatsächlich stehen die Chancen für die Rückkehr einer klassischen Loveparade in Berlin denkbar ungünstig: Alle Rechte am Namen liegen bei Schaller und seiner Lopavent GmbH. Und außerdem sind da noch die rund 1,6 Millionen Euro, die eine Loveparade mit Abschlusskonzert an der Siegessäule verschlingt und die schon Mitte der Nullerjahre den Fortbestand der Parade in Berlin unmöglich machten. Selbst wenn Schaller die Namensrechte zurückgeben würde, müsste sich erst mal jemand finden, der diese gewaltige Summe aufbrächte und dabei in Kauf nimmt, seine Geschichte mit der vorbelasteten Historie der Parade zu verknüpfen.
Zurzeit arbeiten verschiedene Initiativen an Events, die unter neuem Namen an die Loveparade anknüpfen sollen: Jede von ihnen hat das Ziel, eine Technogroßveranstaltung zu organisieren.
Loveparade 2010Bereits über mehrere Anläufe und Absagen aus verschiedensten Gründen blickt eine Formation namens Bparade (Berlin Dance Parade) zurück. 2012 will man einen neuen Versuch unternehmen, die Siegessäule wieder mit einer Technoparade zu beglücken. Dieses Jahr brachte man schon mal eine CD heraus und kündigte für den Herbst eine Europa-Clubtour an. Große Unterstützung in der einheimischen Szene konnte man bisher nicht gewinnen.
Ein umtriebiger Aktivist für Veranstaltungen rund um die Siegessäule ist Armin Mostoffi, der bereits 2005 mit Planet Pro eine Ersatzveranstaltung für die Loveparade veranstaltete. Gemeinsam mit Aktivisten aus der Frankfurter Technoszene ist er derzeit auf Sponsorensuche für ein Event namens Stars & Angels: Das Ganze soll eine große stargespickte Technoparty an der Siegessäule 2012 werden. „Die Siegessäule ist nun mal der schönste und sicherste Veranstaltungsort der Welt“, sagt Mostoffi.
Ein weiterer Player im Post-Loveparade-Game ist Tobias Tuchlenski, der Regionalchef der Supermarktkette Kaisers, der mit seinem Berlin Summer Rave mit 20?000 Gästen im Juni den größten Indoor-Rave Berlins veranstaltete. Er denkt über eine Erweiterung auf dem Flughafenfeld nach, zum Beispiel Trucks mit Soundanlagen.
Andere Überlegungen gehen dahin, wieder ganz klein anzufangen: mit einer angemeldeten politischen Demonstration mit Musikprogramm, vielleicht sogar auf dem Ku’damm.

Text: Rock Davis

Fotos: Carschten / Creative Commons Lizenz

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