Konzerte & Party

Einblicke in den Konzertmarkt Berlin

TempodromZum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten … und dann doch nicht zwangsversteigert wurde nach langer Insolvenz das Tempodrom (Foto). Mit seinen am Ende auf 33 Millionen Euro explodierten Baukosten hatte man 2001 den Kulturbau eröffnet, der als Inves­titionsruine ein gutes Stück Offkultur mit im Bausumpf versenkte. Betreiberin war Irene Moessinger, die seit 1980 das ursprüngliche Tempodrom unter dem Dach eines alten Zirkuszeltes erst am Potsdamer Platz (noch Brache) und später auf dem Parkplatz der Kongresshalle (immer noch Brache) betrieb, ehe sich Helmut Kohl einen schö­neren Ausblick fürs Kanzleramt gewünscht hatte. Der somit fällige Umzug zum Anhalter Bahnhof wurde mit besagtem Betonbau versüßt. Laut „Tagesspiegel“ liegt dessen Verkehrswert nur­mehr bei einem Zehntel seiner Baukosten.
Während es für Irene Moessinger nach glimpflich verlau­fenem Untreueverfahren dann hieß: „Begib dich direkt ins Klos­ter, gehe dabei nicht über Los und ziehe auch keine weiteren Subventionen ein“, kann sich die Bremer Unternehmensgruppe KPS (Klaus-Peter Schulenberg) nun darüber freuen, dass sie beim Hallenmonopoly in der Hauptstadt ein ordentliches Schnäppchen gemacht hat. Als Käufer des Tempodroms verfügt das Unternehmen, das mit der Firma CTS Eventim laut Eigenwerbung auch „Europas größter Ticketunternehmer“ ist und über Kooperationen auch im Ver­anstaltergeschäft mitmischt, neben der seit 2009 bewirtschafteten Waldbühne nun bereits über einen zweiten Veranstaltungsort, wo die eigenen Künstler untergebracht werden können. Und bei dieser Konzentration im Berliner Veranstaltungsgeschäft handelt es sich um keinen Einzelfall. Längst sind die Kulturunternehmer dazu übergegangen, die Spielstätten der Stadt nicht mehr zu mieten, sondern sie kurzerhand ihren Firmengruppen einzuverleiben.
MonopolyZuletzt wurden bereits Columbiahalle und Columbiaclub versteigert und fanden in Ärzte-Manager Axel Schulz und Norbert Döpp-Veit neue Besitzer. Beide mischen schon lange im Berliner Konzertgeschäft mit. Döpp-Veit betreibt den Postbahnhof und die Konzert­agentur New Berlin Concerts, Schulz hat mit Loft Concerts ebenfalls eine eigene Agentur an der Hand. Auch Trinity Concerts, die einen Großteil der Berliner Musik­events auf die Beine stellen, einen eigenen Kartenservice und eine Vorverkaufsstelle betreiben, haben sich ebenfalls als Betreiber des Huxleys einen festen Standort zugelegt, der im Sommer noch durch die Zitadelle Spandau ergänzt wird.
Und selbst im Indiebereich geht eine zunehmende Konzentration vonstatten: Astra und Lido eint mit Torsten Brandt derselbe Besitzer, der künftig mit der Übernahme des Kato beinahe das gesamte Terrain an der Oberbaumbrü­cke bespielt und ebenfalls einen eigenen Ti­cketservice eröffnet hat.

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