Kommentar

„Ekel-Echo“ von Stefan Hochgesand

Der britische Kuschelpopper James Blunt hat nun nicht gerade einen Preis für Musik, wohl aber für seine Selbstironie verdient: „Wer schon dachte, 2016 war schlimm – 2017 bringe ich ein ­Album raus“, hat er getwittert.

Stefan Hochgesand

Jedenfalls: Wer schon 2016 dachte, der Musikpreis „Echo“ könnte nicht noch schlimmer werden, kannte die Pläne des Fernsehsenders Vox noch nicht. Die Mitteilung des durch „Shopping ­Dinner“, „Promi Queen“ und anderen Plunder bekannten Senders liest sich wie News aus der Vorhölle: „Wir zeigen die Echo Preisverleihung mit den Gastgebern Xavier Naidoo und Sasha am Freitag, den 07.04. um 20.15 Uhr.“
Naidoo? Echt jetzt? Praktischerweise ist der auch gleich selbst für einen Preis nominiert. Oha! Ist das Niveau schon im Keller, lässt man für die Berliner Gala konsequenterweise auch noch die ­Nu-Metall-Nullen von Linkin Park einfliegen.
Überraschungen gab’s bei den Nominierungen aber dann doch: Helene Fischer fischt diesmal im Trüben. Dabei dachte ich schon, die hätte ein Knebel-Abo auf Lebenszeit. Macht aber nix, liebe Schlager-Schlucker: Stattdessen ist Andrea Berg dabei. Peinlichster Fauxpas: Freiwild, die Rechts­nationalen im Hipster-Schafspelz sind wieder nominiert. Und ihre Gesinnungsgenossen auch: die Böhsen Onkelz.
Fehlt nur noch ein falscher Ryan Gosling, wie gerade bei der „Goldenen Kamera“, der anderen Branchen-Selbstbeweihräucherung des Landes. Der Echo-Preis geht natürlich an…(dramatische Pause)… Linkin Land!

Mehr über Cookies erfahren