Konzerte & Party

Elektronischer Sound aus Berlin

DJ Lotti

Zum ersten Mal findet man auch R’n’B auf einer Modeselektor-Platte, in dem Stück, das „Berlin“ heißt und für das die Berlinerin Miss Platnum ihren Gesang beigesteuert hat. Eigentlich sollte „Monkeytown“ eine reine Techno-Platte werden. „Das ging nicht. Wir haben schnell gemerkt, dass wir mit Konzepten nichts anfangen können„, sagt Szary. „Bei uns kommt alles aus dem Bauch“, ergänzt Bronsert. „Wir wollen gegen den Strom schwimmen. Wir sind halt immer noch Punks.“ Wie Gernot Bronsert und Sebastian Szary kennt auch DJ Lotti von den Sorry Entertainers Berlin schon seit den Neunzigern. „Bei den frühen Loveparades da war ich dabei“, sagt er. Von Rostock, wo er aufgewachsen ist, ist er zum Feiern regelmäßig in die Hauptstadt gefahren. Vor zehn Jahren ist er dann hierher gezogen. Wegen der Musik, um aufzulegen. DJ Lotti startete The Sorry Entertainers als DJ-Projekt vor sechs Jahren, erst alleine, dann mit einem Kumpel, dann wieder alleine. Für das Debüt „Local Jet Set“ tat er sich mit dem Produzenten und Songwritern Raz Ohara und dem Musiker M. Rux zusammen.
The Sorry EntertainersFür ihn ist das Album eine Retrospektive der vergangenen zehn Jahre: Open Air Partys, Festivals, kleine Clubs, jede Nacht an einem anderen Ort. „Der Albumtitel ‚Local Jet Set‘ ist Programm“, sagt er. Auf Partys, auf denen nicht mehr als 200 oder 300 Leute vor seinem DJ-Pult tanzen, fühlt DJ Lotti sich wohl. Im Kater Holzig oder in der Kleinen Reise ist er zu Hause. Am liebsten aber legt er draußen auf: „Der Sound ist Open Air viel geiler als im Club. Man ist nicht so eingeengt. Und wenn die Sonne scheint, ist alles viel leichter.“ Und so klingt das auch bei den Sorry Entertainers: Zu dieser Musik legt man sich entweder ins Gras und schaut den Wolken zu oder aber man tanzt. Wie auf einer Open Air Party eben. The Sorry Entertainers haben die Sehnsucht der Großstädter eingefangen, ihre Sehnsucht nach romantischen, naturbelassenen Orten, nach Parallelwelten, die sie sich mitten in der Stadt aufbauen, wie das Sisyphos, die Wilde Renate oder Kater Holzig. Mit ihrem Album „Local Jet Set“ haben sie den passenden Soundtrack zu diesen Orten gemacht. „Widen your perception, losing your conception“, heißt es in „New Age“; „I get high till the day I die“, heißt es in „Jeopardize“.
Bei allem Lob, klar ist, dass weder „Monkeytown“ noch „Local Jet Set“ eine Neuerfindung der elektronischen Musik ist. Modeselektor und The Sorry Entertainers weisen jedoch in eine mögliche Richtung, im Austausch mit internationalen Musikern und unterschiedlichsten Musikstilen die Besonderheit der heutigen Party- und Ausgehszene Berlin musikalisch einzufangen. Jenseits des Hypes, aber ohne ihn zu leugnen. Das weltoffene und das provinzielle Berlin.

Text: Katharina Wagner

Modeselektor „Monkeytown“ (Monkeytown), Album-Release-Party, Astra, Do 29.9., 21 Uhr

The Sorry Entertainers „Local Jet set“ (Shitkatapult)

DJ Lotti, Kleine Reise, Fr 16.9., Ritter Butzke, Sa 17.9., Sisyphos, So 18.9. (Uhrzeiten bitte telefonisch erfragen)

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